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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (2), Band 15
Seite - 330 -
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330 Die meisten der alten Burgen stammen aus der Periode Kar l s IV. Die damals engen Beziehungen zu dem päpstlichen Hofe zu Aviguon uud zu Frankreich entwickelten eine unge- wöhnliche Bauthätigkeit, welche die bisher herrschende Borliebe für Holzbauten überwand. Karl selbst legte einige Burgeu ganz neu an, welche sämmtlich nach ihm benannt wurden, meist nüchterne Banten, die den praktischen und in gewisser Hinsicht sparsamen Kaiser zum Urheber haben und nur der Erhaltung der Sicherheit und des Landsfriedens wegen gegründet wurden. Das von ihm bei Pilsen erbaute Schloß Karlskrone (vom Volke nach der Örtlichkeit Radyue benannt) erscheint als das einfachste, was man sich denken kann, nämlich ein viereckiges Gebäude, an dem einen Ende abgernndet, an dem andern in einen Thurm auslaufend; es brauchte nicht größer zu seiu, da es nur von einem Pfleger bewohnt werden sollte. Weitläufiger ist das bei Bergreichenstein liegende Schloß Karlsberg, insofern es ausgebreitete.und langgedehnte Außenwerke besitzt, aber der Kern desselben, das von zwei Thürmen gekrönte Hauptgebäude ist auch nüchtern gehalten. Das nördlich von Frauenberg gelegene Karlshaus erscheint wieder als ein von Gebänden umgebener Hof mit Kirche und Burgflecken, auffallenderweise ohne Thurm. Was an diesen Bauwerken erspart wurde, das wurde im reichlichsten Maße auf den Karlstein ver- wendet, denn dieser sollte als Aufbewahrungsort der Kroninfignien alle Kronburgen an Festigkeit und Pracht überbieten. Die Anlage ist gewiß vom Kaiser selbst, der in allein nnd jedem persönlich eingriff und stets das Richtige traf, vorgezeichnet worden. Der Haupt- gedanke derselben ist, eiueu massiven, an und für sich festen und überdies von Natur und Kunst befestigten Thurm durch mehrfache Außenwerke und einige Hindernisse unzugänglich zu machen. Deshalb sind da mehrere Thore, ehemals mit Zugbrücken versehen, und in den innersten Ringmauern befand sich als einziger Zugang eine enge Stiege, welche das Eindringen einer Masse sehr beschwerlich machte, die sonstigen Hindernisse ungerechnet. Auf diese Weise erscheinen die Collegiatkapelle zu St. Maria, der kaiserliche Palast und die Burggrafenwohnung als Nebenbauten, weit hinter dem Heiligsten, dem Thurm mit seiner geheiligten Kapelle, welchen kein Mann mit seiner Frau, nicht einmal der Kaiser mit der Kaiserin bewohnen durfte. Vier Kapellen befinden sich in dieser Burg: eine dem heiligen Nikolaus geweihte, zwei, zu St. Maria und St. Katharina in der Marienkirche nnd die Kreuzkapelle im Hauptthurm. Letztere als die hauptsächlichste uud die Katharinen- kapelle als die sür den Kaiser allein bestimmte, wurden mit dem Schönsten und Besten, was Kaiser und Reich bieten konnten, ausgeschmückt. Böhmische Edelsteine in ungewöhnlicher Größe schmücken die Wände, sofern dieselben von Werken tüchtiger Maler nicht bedeckt werden. Besonders die Kreuzkapelle ist mit einem riesigen Aufwand von Geldmitteln aus- gestattet worden. Obwohl sie theilweise ihres Schmuckes, der Edelsteine beraubt ist, obwohl die ehemalige Farbenpracht verblichen ist, überrascht sie dennoch den Neueintretenden,
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (2), Band 15
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (2)
Band
15
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.07 x 22.35 cm
Seiten
708
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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