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Die in den letzten zwei Jahrhunderten entstandenen Schlösser sind
geräumige, häufig einen Hof umschließende Gebäude, welche schon durch ihr Äußeres, die
zahlreichen Fenster, so wie auch durch die Flucht der zahlreichen Zimmer ihren Zweck
bekunden, dem Besitzer, seiner Familie und der zahlreichen Dienerschaft ein bequemes
Heim zu bieten. Manche imponiren durch ihre Masse, manche werden durch die zierliche
Ornamentik im Barockstil des XVII. Jahrhunderts anziehend. In ersterer Beziehung
verdient das mehr in technischer Vollkommenheit als edlem Stil erbaute Schloß Rauduitz
sicherlich den ersten Platz. Wenzel Eusebius Fürst von Lobkowitz, der franzosenfreundliche
Minister Leopolds I., ließ es in den Jahren 1652 bis 1677 an Stelle der bisherigen
Burg aufführe«; der Baumeister war Antonio Porta, von dem auch die Schlösser in
Libochowitz und Bilm, so wie auch das Schlößchen Radic (bei Selcan) herstammen. Das
Anwachsen des Stammvermögens einzelner Adelsfamilien, das mit der während des
dreißigjährigen Krieges stattgehabten Commassation kleiner Landgüter zusammenhing,
begünstigte großartige Bauten. Zu den größeren und mittelgroßen Anlagen dieser Periode
gehören die Schlösser Zeleuä Hora, HorazLowitz, Rothenhaus, Eisenberg, Wartenberg,
Chronstowitz, Zamrsk, Weißwasser, Schwaden, Benatek und Kolodej. Fast alle entstanden
auf älteren Anlagen mit theilweiser Benützung der bisherige» Bestandtheile.
Zu Ende des XVII. und zn Anfang des XVIII. Jahrhunderts entwickelte eine rege
Bauthätigkeit der gebildete Sonderling Graf Franz Anton von Sporck. Auf dem auf der
Herrschaft Maleschov liegenden Berg Wysokä erbaute er das neue Lusthaus Belvedere
mit St. Johauueskapelle uud Eremitenwohuuugen (1697). Das bisher noch burgen-
ähnliche Schloß Lissa wurde von ihm fast ganz umgebaut und erhielt seine jetzige Gestalt.
Unweit davon entstand auf einem von der Herrschaft Benatek angekauften Berge das
Lustschloß Von repc»s (1718), woselbst der jagdlustige Herr den Freuden des Vogelfanges
oblag. Auf der Herrschaft Gradlitz gründete er das Bad Kukus mit Herrenwohnung und
verschönerte die Umgegend auf die damals beliebte originelle Weise. Das alte Schloß zu
Konojed wurde bereits im Jahre 1699 in ein Spital verwandelt, aber dafür ein neues
Jagdschloß in Ober-Algersdorf erbaut (1700). In der Nähe dieser Sitze entstanden neue
Kapellen, die damals beliebten Eremitagen und nach französischer Art angelegte Spazier-
gänge, doch haben die meisten dieser Gründungen sich nicht lebensfähig erwiesen. Unter den
Schloßbauten jener Zeit hatte das neue Schloß zu Mostek die kürzeste Dauer. Es wurde
im Jahre 1724 von der Gräfin Maria Theresia von Tranttmansdorfs, in zweiter Ehe
vermälten Gräfin von Rottal oberhalb der Stadt Brandeis a. A. in Ermanglung eines
passenden Wohnsitzes auf der Herrschaft gegründet. Der kunstvolle, von dem Architekten
Donato Allio mit dem Maurermeister Douato Morazzo aufgeführte Bau war schon
ziemlich vorgerückt, wurde aber plötzlich eingestellt, als der junge Graf Franz Norbert von
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Böhmen (2), Band 15
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Böhmen (2)
- Band
- 15
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 16.07 x 22.35 cm
- Seiten
- 708
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch