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Leitmeritz, Kuttenberg, Chrudim, Lauu, Kolin n. a. O. erhalten haben, zeigt sich wie bei den
besonders seit der zweiten Hälfte des XV. Jahrhunderts zahlreicher werdenden Glocken, die
nur vereinzelt mit einem Flachrelief des Gekreuzigten, der heiligen Maria oder des Kirchen-
patrons geziert wurden, trotz aller Tüchtigkeit der Ausführung nichts, was künstlerisch
besonders beachtenswerth wäre, — hier walteten die Formen der Gothik fast noch durch
das ganze XVI. Jahrhundert hindurch vor. Brouze-Epitaphien, wie z. B. das des Busko
von Seeberg aus dem Jahre 1499 wurden erst in der Nenaissaneezeit häufiger; dagegen
schuf, nach dem Löwenkopfe an der Thüre der Prager Wenzelskapelle uud
nach einem ähnlichen späteren an der Thür der Egerer Nikolauskirche zu schließen, die
ganze Zeit hindurch der Bronzeguß geschmackvolle, in guter Ciseliruug durchgearbeitete
Thürverzierungen.
Die gothische Steinplastik lieferte gerade in der Zeit, da die größte Bauthätigkeit im
Lande sich entfaltete, ihre besten Arbeiten. Ein Meister, dem gleich Peter Parler Erfindung
und hohe Begabung fürs Plastische eigen war, sowie ein Wechsel der Motive mit wirkungs-
voller Heransarbeitung der Details zusagte, mußte die unter seiner Leitung Arbeitenden
durch Vorbild und Unterweisung beeinflussen. Von seiner Hand stammten die amnnthige,
stilvolle Wenzelsstatne, die Grabmale Premysl Ottokars I. und II. und wahrscheinlich
ein Theil der Trisoriumsbüsten im Prager Dom, deren übrige sowie die anderen Grab-
denkmale böhmischer Fürsten unter seinen Augen entstanden. Wie hier so kam mich in
dem Denkmal des Prager Erzbischoss Johauu Oeko von Vlaschim und in den Herrscher-
statuen am Altstädter Brückenthurm eine besondere Vorliebe für das Betonen des Wesent-
lichen bedeutender Personen zum Worte, ein Zug, der auch noch im letzten Viertel des
XV. Jahrhunderts den Statuenschmuck anderer Bauten ius Leben rief. Der Reichthum
plastischer Ausstattung, den namentlich die im Geiste der Gmünder Schule ausgebildeten
Bildhauer bevorzugten, offenbarte sich am schönsten in den plastischen Zuthaten der Bauten,
als sculpirten Schlußsteinen, Capitälen, Consolen, Baldachinen, originellen Wasserspeiern
nnd besonders in dem prächtigen, figurenreichen Portalschmuck der Prager Teyn-
kirche. Derselbe ist das bedeutendste und umfangreichste Werk gothischer Steinplastik, bietet
im Tympanonselde außer der Kreuzigung mit allen Details der Überlieferung die Geißelung,
Verspottung und Dornenkröuuiig Christi, an den Strebepfeilereonfolen das Opfer
Abrahams und Moses mit den Gesetzestafeln und war ursprünglich noch mit zahlreichen
anderen Statuen ausgestattet, welche einst die heute leeren Bilderblenden zierten. Ihm
zunächst steht wohl das tnmbenartige Grabmal der heiligen Ludmila in der Lndmilakapelle
des Prager Georgsklosters, welches auf dem Deckel die ruhende Gestalt der die Hände
faltenden Heiligen und an den beiden Langseiten in spätgothischen Nischen je fünf derbe
Heiligenstatnetten zeigt, aber bei wiederholter Überarbeitung viel von seinem ursprünglichen
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Böhmen (2), Band 15
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Böhmen (2)
- Band
- 15
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 16.07 x 22.35 cm
- Seiten
- 708
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch