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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (2), Band 15
Seite - 364 -
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364 Malerei und Plastik der Renaissance, der Barock- und Rococozeit. Über den Werken der Tafel- und Wandmalerei der heranbrechenden Renaissance- periode waltete ein eigenthümliches Schicksal: es hat sich ihrer verhältnißmäßig eine geringere Zahl erhalten als aus den vorangehenden Zeiten. Und doch muß die Production um die Wende des XV. Jahrhunderts eine immense gewesen sein, wenn wir nach der langen Reihe von Namen, welche sich uns in den Städtebüchern und insbesondere in den Auf- zeichnungen der Maler-Confraternität erhalten haben, schließen dürfen. Aber diese Nach- richten, so willkommen sie sind, geben uns über die Entwickelung der Kunst selbst nur geringen Aufschluß. Eine Unzahl von Künstlernamen lernt man kennen, aber keiner darunter erfreut sich eines ruhmvollen Klanges; die Bruderschaft hält sie alle in ihrem Bann und kennt keinen Unterschied zwischen großen und geringen Meistern, sondern nur zwischen Ältesten und Zechmitgliedern. Die Ältesten brauchen eben nicht die Bedeutendsten ihrer Kunst zu sein, wenn sie nur fromm, rechtschaffen, erfahren und sonst vertrauens- würdig sind. Und wenn sich einer von den Vielen in seiner Zeit hervorgethan hat, so fehlte es ihm an jener Ruhmbegierde, welche anderwärts den Meister dazu bewog, seinen Namen am Werke selbst zu verewigen. Selbstverständlich machen sich zunächst in der zweiten Hälfte des XV. Jahrhunderts Einflüsse der niederländischen Malerschule geltend. Auf hervorragende Weise äußern sie sich in den Wandmalereien einer vom Hofmeister Michael SmiKek von Vrchovist' »ach dem Jahre 1485 ausgestatteten Kapelle der Barbarakirche in Kuttenberg. Die Kreuzigung Christi, Angustus und Sibylla, die Gerechtigkeit Trajaus und die Begegnung Solomons mit der Königin von Saba zeigen nahe Verwandtschaft mit ähnlichen Darstellungen der niederländischen Malerschule und zugleich eine hohe Vollendung, wie man sie bei anderen mehr oder weniger gleichzeitigen Wandmalereien, beispielsweise im Schlosse Blatna, in der Burg Klingenberg, nicht antrifft. Nach einer anderen Richtung macht sich der niederländische Einfluß in einer Serie von Tafelbildern des Krenzherren-Convents in Prag, welche um die Wende des XV. Jahr- hunderts entstanden sind, bemerkbar. Die Darstellungen der beiderseits bemalten Tafeln haben zumeist auf den Orden Bezug. Wie sich eine Darstellungsweise traditionell wieder- holt, zeigt uns der Vergleich eines dieser Bilder, auf welchem die heilige Agnes mit dem Großmeister, einen Kirchenbau haltend, dargestellt ist, mit der ähnlichen Darstellung des berühmten Kreuzherren-Psalters vom Jahre 1356. Das Festhalten an alten Traditionen zeigt sich in anschaulicher Weise in den zahlreichen Madonnenbildern, von denen einige erst dem Schlüsse des XV. und dem Beginn des XVl. Jahrhunderts angehören. Eines der schönsten und besterhalteuen
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (2), Band 15
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (2)
Band
15
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.07 x 22.35 cm
Seiten
708
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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