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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (2), Band 15
Seite - 380 -
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380 Kraft gemalt. Das Colorit war ursprünglich von klarer, leuchtender Farbe, wie es beispiels- weise bei dem Simeon und Anna darstellenden Bilde bei den Carmelitern in Prag der Fall ist; erst in späterer Zeit scheint er sich die tiefe Farbenstimmung angeeignet zu haben, welche im Einklang mit der Wahl und Behandlung der Gegenstände einen der spanischen Schule verwandten Zug verräth. Derselbe kommt noch nachdrücklicher bei seinem Zeit- genossen Palcko, welcher eine Vorliebe für visionäre Darstellungen und asketische Heilige hat, zum Vorschein. Besonders ein Zweig der Malerei, die Freskotechnik, wurde in Böhmen zu einer hohen Stufe der Vollendung gebracht. Die gewaltigen Gewölbe und Kuppeln der Kirchen, die Plafonds der Refectorien und Prachtsäle erforderten einen prunkvollen Schmuck, und die Kunst eines Pozzo und eines Tiepolo hatte etwas Verführerisches an sich. Der Richtung derselben leisten die Theoretiker und Perspectivmaler wie Ferdinand Galli-Bibiena und der auch als Lehrer hervorragende Maler und Ingenieur Johann Ferdinand Schor Vorschub. Anfänglich erscheinen auch auf diesem Gebiete fremde Künstler: Kosmas Damian Affam und Johann Hiebet von Ottobeuren, welcher die Clemenskirche des Jefnitencollegs Clementinnm mit prächtigen Fresken schmückte. Auch der Schlesier Liska hatte sich in dieser Richtung bethätigt; von ihm rührt ein Theil der Fresken der Kreuzherrenkirche in Prag her; dieselben durch ein großes Kuppelbild zu vollenden, wurde der junge Maler Wenzel Lorenz Reiner herangezogen, welcher bereits im Verein mit Assam die Kirche am Weißen Berge mit Fresken versah. In Reiner (geboren in Prag 1686, gestorben 1743), welcher ursprünglich Veduten, Thierstücke, Altarblätter mit großer Virtuosität schuf, erstand nun Böhmen der größte Freskomaler des XVIII. Jahrhunderts und wohl einer der bedeutendsten Meister seiner Zeit überhaupt. Die kolossalen Gemälde, welche die Gewölbe von St. Ägid, St. Thomas,St. Katharina n. a. m. in Prag, in den Klosterkirchen zu Dux, Ossek bedecken, sind, wiewohl sie an Farbenpracht viel eingebüßt haben, von einer gewaltigen Wirkung. Die Ordensheiligen und Ordensbrüder spielen darauf eine hervor- ragende Rolle und in der Verherrlichung derselben sehen wir gewissermaßen die Macht, zu welcher in jener Zeit die Geistlichkeit gelangte, sich wiederspiegeln. Anch zahlreiche Schloß- bauten rühmen sich seiner Fresken, leider ist ein am meisten gerühmtes Werk dieser Art, die Fresken des Palais Cernln in Prag, völlig vernichtet worden. Das Beispiel Reiners trug wesentlich dazu bei, daß sich ein Virtuosenthum in der Freskotechnik ausbildete. Da es in erster Reihe galt, Gotteshäuser auszustatten, hat sich anch eine Anzahl von Ordensgeistlichen der Freskomalerei zugewendet; einPlämon- stratenser vom Stift Strahov, Siardus Nosecky, welcher insbesondere im Stift Strahov selbst figurenreiche und farbenprächtige Werke schuf, steht in erster Reihe, dann der Jesuit Jguaz Raab, im Ganzen trockener und düsterer als der farbenfreudige Prämonstratenser.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (2), Band 15
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (2)
Band
15
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.07 x 22.35 cm
Seiten
708
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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