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Auch Dominik Kindermann aus Schlnckeuau, gestorben 18t? zu Wien, zuerst
Schüler des Jesuitenbruders und Malers J g n a z N a a b i n Prag, kam später nach Wien,
wo er Altarbilder, Darstellungen aus der Geschichte des Alterthums und Bildnisse malte.
Desgleichen sind zwei Prager, der Landschaftsmaler Franz Scheyerer (geboren
1762 zu Prag, gestorben 1838 zu Wien) und der Architekturmaler Josef Plazer
(geboren zn Prag 1752, gestorben zn Wien 1810) in Wien ansässig geblieben. Anch nnter
den renommirten Kupferstechern Wiens finden wir bekannte Künstler, deren Wiege in
Böhme» stand. Dazu gehörte Johann Ernst Mansfe ld (geboren 1739 zu Prag,
gestorben 1796 zu Wien), welcher 1767 in die Schule Jakob Schmutzers eintrat, als
einer der ersten Schüler dieses vortrefflichen Meisters aus der damals gegründeten
Kupferstecher- Akademie.
Von den in Wien ansässigen Bildhauern aus Böhmen wären zu erwähueu der in
Rehberg 1740 geborene Phi l ipp Prokop, Schüler der Wiener Akademie, seit 1772
Gehilfe des Hof-Statuarius Wilhelm Beyer, mit welchem er an mehreren Statuen im
Schöubrunner Park arbeitete und selbständig die Gruppe „Aeneas und Anchises" uud eine
auf dem Platze vor der Piaristenkirche in der Josefstadt in Wien ausgestellte Mariensäule
mit vier Heiligen zur Seite derselbe» ausführte, und Angnstin Roppaez aus Krumau,
ebenfalls Schüler der Wiener Akademie und speciell Zauners, dem er bei der Ausführung
des Monumentes für Kaiser Leopold II. als Gehilfe zur Seite staud.
Einige der böhmischen Künstler, welche ihre Ausbildung der Wiener Akademie zu
danken und längere Jahre in Wien gearbeitet hatten, kehrten wieder in ihre Heimat zurück,
wo sie durch ihre Arbeiten anregend wirkten, allerdings nur auf die ihnen näher stehenden
Kreise. Zu ihueu gehört vor allen Johann Quir in I a h « (geboren 1739 zu Prag,
gestorben daselbst 1802), der einer alten in Ossegg ansässig gewesenen Künstlerfamilie
entstammte, nach seiner Rückkehr nicht nur viele Altarbilder und Fresko-Malereien
ausführte, sondern auch als Architekt thätig war und als Schriftsteller sich große Verdienste
um die heimische Kunstgeschichte erwarb. Gleich diesem Mitglied der k. k. Akademie in Wien
war auch der aus Schmutzers Schule hervorgegangene Architekturmaler Ludwig Kohl
(geboren 1746 und gestorben 1821 zu Prag), welcher 1775 als Lehrer der Zeichenknnst
an die damals eben neu errichtete k. k. Musterhauptschule nach Prag bernfen, in seiner
bescheidenen Stellung unter den damaligen Verhältnissen für die Heranbildung junger
Künstler eifrig thätig und durch Privatstuudeu, in welchen er seit 1783 an Sonn- und
Feiertagen „zahlreichen Lehrjungen, Gesellen und Künstlern unentgeltlichen Unterricht
im bürgerlichen Zeichnungsfache" ertheilte, eine Kunstschule zn ersetze» bemüht war.
Angesichts dieser kläglicheil Kuustverhältuisse, iu welche das einst unter Karl I V.
und Rudolf II. reich erblühte Kunstleben in Böhmen herabgesunken war, vereinigten
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Böhmen (2), Band 15
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Böhmen (2)
- Band
- 15
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 16.07 x 22.35 cm
- Seiten
- 708
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch