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Trcnkwald und Swoboda nach Berlin, wo sie bei Wilhelm Kaulbach, der eben damals
im großen Treppenhause des neuen Mnsenms seine großen Wandgemälde in dieser Technik
ausführte, diese stndiren und einige Proben machen konnten. Die Wandmalereien im
Belvedere, 1848 in Angriff genommen, konnten erst im Jahre 1867 nach öfteren und
längeren Unterbrechungen vollendet werden.
Während der Leiter der Akademie uud dessen tüchtigste Schüler für Jahre hinaus
mit der Durchführung dieser großen Aufgabe beschäftigt waren, wurde vom Knnstverein
schon ein zweites öffentliches Kunstwerk geplant, mit dessen Ausführung zwei bereits
selbständige junge Künstler, die Bildhauer Josef und Emannel Max, welche ihre
erste Vorbildung an der Prager Kunstschule genossen hatten, betrant wurden. Diesmal
galt es dem Feldmarschall Grafen Radetzky noch bei dessen Lebzeiten in der Hauptstadt
seines Geburtslandes ein ehernes Denkmal zu errichten. Die beiden Brüder Max theilten
die Arbeit, indem Josef, der ältere, die Soldatengrnppe, die Vertreter aller Truppen-
gattungen, welche ihren siegreichen nnd geliebten Feldherrn auf den Schild erheben,
dagegen Emannel, der nach zehnjährigem Aufenthalt in Rom heimgekehrt war, die Haupt-
figur, das Staudbild des Helden, übernahm. Das Denkmal, in Erz gegossen von Daniel
Bnrgschmiedt in Nürnberg, wurde im November 1858 iu Gegenwart des Kaiserpaares
feierlichst enthüllt — zehn Monate nach dem Tode Radetzky's.
Indeß hatten sich in Prag anch von auswärts tüchtige Küustler eingefunden,
welche hier reichliche Beschäftigung fanden und sich dauernd niederließen. Zu diefeu
gehört der vortreffliche Porträtmaler Alexander Clarot uud der Landschaftsmaler
Croll, beide aus Wien, dauu August Piepenhagen aus Soldin in der Neumark,
dessen meist kleiue, sehr gefällig behandelte stimmungsvolle Landschaften ebenso zahlreiche
Liebhaber fanden wie die hübschen, in Gouache ausgeführten kleinen Landschaften des
heimischen Franz Nawrat i l (geboren 1798 in Schlau). Als tüchtige Porträtmaler
waren Franz Wiehl (geboren 1815 zu Tremosnie) und der 1814 in Kaeerov geborene
Thaddäus Mayer sehr gesucht. Ihr Wirken und Schaffen fand einen festen Grnnd
in der uen geweckten Knnstliebe und dem rege gewordenen Kunstbedürfnisse des wohl-
habenden Mittelstandes. Ein interessantes Beispiel dafür sind die schönen Landschaften,
welche ein kunstsinniger Prager Bürger in seinem an die Neumühlen grenzenden Wohu-
hanse durch F. Nawratil direct aus die iu große Felder getheilten Wandflächen eines
geräumigen Salons malen ließ, dann die Wandmalereien desselben Künstlers im Schlosse
Liboch des als Kunstfreund bekannten, schon erwähnten Domänenbesitzers Anton Veith.
Unter den zahlreichen und vorzüglichen Schülern Rubeus befanden sich anch einige
der schon oben genannten jungen Künstler, welche er von seinem Vorgänger übernommen
hatte und die an dem regen Kunstleben sich srendig beteiligten. Zu diesen gehört
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Böhmen (2), Band 15
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Böhmen (2)
- Band
- 15
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 16.07 x 22.35 cm
- Seiten
- 708
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch