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Josef Manes (geboren 1821, gestorben 1871 zu Prag), wohl der volksthümlichste
Künstler Böhmens. Auf Grnnd eingehender, ernster Costümstudien, vorzugsweise iu den
von Cechoslaven bewohnten Landestheilen von Böhmen, Schlesien und dem nördlichen
Ungarn, in denen sich die Bevölkerung noch nnvermischt, die althergebrachten Sitte» und
Gebräuche, die Art ihrer Trachten und Gerätschaften unverfälscht und rein erhalten
haben — Studien, die sich mit außerordentlicher Sorgfalt und Liebe auf die scheinbar
geringsten Einzelnheiten der bei Wäsche, Kleid und Geräthe angewendeten Verziernngen
erstreckten, wußte er wie kein anderer das den Cechoslaven nicht nur im Weseu, sondern
auch im Äußern Gemeinsame und Eigenartige zusammenzufassen. Seine Werke üben noch
heute einen bedeutenden Einfluß auf eine Reihe der jüngeren Künstler aus, an deren
Spitze Mikolas (Nikolaus) Ales, Obmann des Künstlervereines „Manes", steht.
Josef Manes war ein vielseitiger und äußerst fruchtbarer Künstler von unerschöpf-
licher Erfindungsgabe, der die verschiedenartigsten ihm gestellten Aufgaben mit Sicherheit
zu lösen verstand. Seine Illustrationen zur „Königinhoser Handschrift", dann zu „Faust"
in Schwabs „Deutsche Volksbücher" und viele andere zeichnete Josef Manes selbst in
mnstergiltiger Weise auf Holz uud überwachte ihre sorgfältige Ausführung; jene zu
den vou Kar l Be l lmanu in Prag herausgegebenen Werken sind die ersten in Prag
ausgeführten, den höchsten künstlerischen Anforderungen entsprechenden Holzschnitte,
welche nicht ohne nachhaltigsten Einfluß blieben auf die weitere Entwicklung dieses seitdem
von tüchtigen einheimischen Künstlern zu hoher Vollendung gebrachte» Kuustzweiges.
In Öl hat Josef Manes verhältnißmäßig wenig gemalt. Das umfassendste Werk
dieser Art ist seine Kalenderscheibe für die alterthümliche astronomische Uhr am Altstädter
Nathhanse mit den Darstellungen der zwölf Monate und den Sternbildern des Thier-
kreises. Diese, sowie seine Cartons und in Aquarell ausgeführten Skizzen zu einem
aus fünfzehn Bildern bestehenden Cyklus „Das Leben und Treiben auf einem großen
Landsitze", welche als Vorlagen für die im Schlosse Horovitz von anderer Hand
ausgeführten Wandmalereien gedient haben, gehören wohl zu jene» Werken, in welchen
Josef Manes seinen Neigungen am zwanglosesten nachgeben konnte. Von Josef Manes
sind die Cartons (im Nndolphinnm) zu de« durch die architektonische Umrahmung
vereinigten zwanzig Reliefs am Hanptportale der Karolinenthaler Kirche, welche von
Ludwig Simek modellirt, in der Danek'schen Maschinenfabrik in Bronze gegossen
und von einem Theilhaber derselben, Josef Goetzl, dem Stifter des Kunstwerkes, ciselirt
wurden. Dieses Portal ist der erste iu der Neuzeit in Böhmen ausgeführte Kuusterzguß.
Im Jahre 185l wnrde Franz Graf Thnn als Referent für Knnstangelegenheiten in
das k. k. Unterrichtsministerinm und bald darans (1852) Christian Nnben zur Leitung der
k. k. Akademie der bildenden Künste nach Wien berufen. Von seinen drei Lieblingsschülern,
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Böhmen (2), Band 15
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Böhmen (2)
- Band
- 15
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 16.07 x 22.35 cm
- Seiten
- 708
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch