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Diese seit 1796 bestehende Geinäldegallerie, welche wahrend der ersten Jahre
ihres Bestehens im Graf Czernin'schen Palast (jetzt Franz Josephs-Kaserne), dann
von 1814 bis 1871 in ihrem eigenen, ebenfalls auf dem Hradschin gelegenen Hause
dem Verkehr zu sehr entrückt war, nach dem Verkaufe desselben aber durch 14 Jahre
iu gemietheten und ganz ungeeigneten Wohnzimmern zuerst in einem Zinshanse der
Neustadt, daun in einem Privathause der Kleinseite nur ein nothdürftiges Unterkommen
gefnnden hatte und daher halbvergessen war, kam erst in dem günstigen Licht der großen
Säle des Rndolphinums und durch die übersichtliche Anordnung, welche dem Fachmann
das vergleichende Studium erleichtert, zur vollen Geltung; sie bietet im Verein mit den
sich immer interessanter gestaltenden Kunstausstellungeu des Kunstvereins dem Künstler
Anregungen zum Studium und zn neuem Schaffen. Die Ausstellungen, welche in den
ersten Jahren im Grandprioratsgebände des ritterlichen Malteser-Ordens, dann im Graf
Clam'schen Palais und später abwechselnd bald in den hochgelegenen Räumen der
Kunstschule im Colleginm Clementinnm, bald in den Restanrations-Lokalitäten des
Saalgebäudes auf der Sophieninsel stattfanden und nirgends festen Fuß fassen konnten,
haben endlich ebenfalls im Rndolphinnm ein dauerndes Heim und entsprechende Aus-
stellungsräume bekommen.
Gleichzeitig mit der Eröffnung des Nudolphiunms übersiedelte auch die Kunstschule
aus den seit dem Jahre 1800 innegehabten alten Räumen des düsteren Collegium
Clementinnm iu die hellen Säle des als Ersatz für dieselben dem Rudolphiuum gegenüber
vom Staate neu erbauten — leider nicht ausreichenden — Gebäudes. Auch in diesem
Falle gab die Übersiedlung die Veranlassung, die Anstalt zu reorganisiren. Der Landschafts-
maler Jul ius Maräk (geboren 1835 zu Leitomifchl) und M axPirner (geboren 1854zu
Schütteuhofeu), welche viele Jahre lang in Wien ansässig waren, wurdeu als Professoren
an die Prager Akademie beruseu. Im Verein mit dem schon einige Jahre früher daselbst
als Professor wirkenden Maler Franz Sequeus wurde die Anstalt nach Maßgabe der
verwendbaren Mittel vorläufig in eine de» heutigen Anforderungen entsprechende „Maler-
Akademie" umgestaltet, welche aber einer weitereu Entwicklung entgegengeht, nachdem
im Herbst 1893 auch W. Brozi'k und A. Hynais als Lehrkräfte für dieselbe gewonnen
wurden. Erst dnrch die von Seite des Reiches und des Landes bewilligten Subventionen
wurde es möglich, der längst erkannten Nothwendigkeit eines intensiveren Naturstudiums
und besonders des hier zuerst durch Eugerth eingeführten Malens nach der Natur in vollem
Maße Rechnung zu tragen, indem die Schüler unter der Leitung ihrer Professoren auch
auf dem Lande, in jedem Jahre während einiger Wochen, Studien nach der Natnr malen,
landschaftliche wie auch figürliche, letztere nicht nur im geschlossenen Raume, wie dies bisher
allein üblich war, sondern auch im Freien, bei jeglicher Beleuchtung und Stimmung.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Böhmen (2), Band 15
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Böhmen (2)
- Band
- 15
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 16.07 x 22.35 cm
- Seiten
- 708
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch