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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (2), Band 15
Seite - 433 -
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433 was sich erhalten hat, gehört in das Gebiet liturgischer Gegenstände, welche in den ältesten Zeiten so ziemlich in der ganzen christlichen Welt dieselbe Form und dieselbe Ansstattung aufwiesen. Es liegt in der Natur der Sache, daß bereits vor der Einführung des Christenthnins manche Fertigkeiten auf dem Gebiete des Kunstgewerbes uuter der einheimischen Bevölkerung zu finden waren; in der Folge entwickelten sie sich weiter uud aus maucheu Ortsuameu können wir schließen, daß sich ganze Gemeinden besonderen Gewerben widmeten und dafür auch besondere Geschicklichkeiten sich aneigneten, wie es bis jetzt noch in manchen slavischen Ländern der Fall ist. In den Urkunden finden wir auch nicht selten Namen von eiuzelueu Gemeindemitgliedern, die irgend einen Zweig des Kunstgewerbes ausübten, wie die Töpferei, Schlosserei, Goldschmiedekunst?c. Vor Allem waren es die Vorsteher der Klöster, welche die Fertigkeit ihrer Unter- thanen auszunützen wußten, indem sie ihre Kräfte zur Ausschmückung der Kirchen concentrirten. Sie übten zugleich persönlich mit vielen Brüdern zahlreiche Zweige des Knnstgewerbes aus; durch ihre eigene Thätigkeit brachten sie die Prodnction kleinerer Gegenstände zu einer bedeutenden Höhe, wie dies namentlich von dem Kloster Sazava und dessen knustfertigeu Äbten Bozetech, Diethard, Silvester und insbesondere Reginhard von Metz gilt. Auch die Kirchen Prags, wie der dortige Fürstenhof, wurden mit Produkten des Kunstgewerbes — darunter solchen aus Elseubeiu uud Bergkrystall — geschmückt. Im XII. Jahrhundert erglänzte der Prager Hof in einer Pracht, welche die Folge seiner Beziehungen zn den Könige» von Ungarn und den Byzantinern war. Reiche, mit Gold und Gemmen geschmückte Gewänder, goldene nnd silberne Gefäße gelangten als Geschenke an den Hof; überans kostbar waren auch jeue Gegenstände, welche bei dem Zuge nach Mailand im Jahre 1l63 den Böhmen als Beute zufielen. Daran erinnert noch der prächtige Bronzefuß eines Leuchters, der noch heute im St. Veitsdom aufbewahrt wird. Gewiß regten diese aus der Fremde gekommenen Gegenstände die heimische Industrie au nnd dienten ihr theilweise auch als Vorbild. Als Geschenke und dnrch Kauf gelangten zahlreiche Gegenstände aus der Fremde iu den Schatz des St. Veitsdomes uud werden hier theilweise noch heute bewahrt. Die Mehr- zahl derselben sind, soweit sie der älteren Periode angehören, Prodncte fremder Arbeit, wie z. B. die sogenannten Rolandshörner aus Elfenbein, ältere emaillirte Reliquienschreine und Überreste alter Gewänder. Viele Arbeiten kann man jedoch als einheimische Werke ansehen, so die Bronzeleuchter uud Aquamanilien in Thiergestalt, sowie die zum Theile emaillirten Brouzekreuze, welche iu verschiedenen Gegenden Böhmens gefunden wurden. Zu den Produeteu des Kunstgewerbes kann man anch die böhmischen Münzen, deren Prägnng im XII. Jahrhundert eine ungewöhnliche Vollkommenheit erreichte, rechnen. Böhmen. 28
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (2), Band 15
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (2)
Band
15
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.07 x 22.35 cm
Seiten
708
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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