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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Band 16
Seite - 106 -
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106 Auf dem zweiten sieht man die Beine dreier Figuren; es stellte die drei babylonischen Jünglinge dar oder vielleicht die Weisen aus dem Morgenland. Das dritte Bild läßt nur die Reste einer viereckigen Truhe erkennen, die man als Arche Noah deuten mag. Das quadratische Feld des Gewölbes zeigt ein Ornament von symmetrischer Anordnung. Aus der Mitte jeder Seite des Quadrats entspringt ein größerer, aus jeder Ecke desselben ein kleinerer Blumenstrauß. An der Wurzel von zweien der größeren Sträuße sitzen einander gegenüber je zwei Pfauen, die beiden anderen sind von je zwei Tauben umflattert. In der Mitte und an den vier Ecken des Gewölbes befinden sich Medaillons. In dem mittleren sieht man noch das Monogramm Christi, in zweien der Eckmedaillons je ein Brustbild. Im Übrigen ist die Leibung des Gewölbes von kleingeblümten Schlingpflanzen überrankt. Die Überbleibsel der Seitenmauern lassen zweifellos erkennen, daß dieser unter- irdische Bau den unteren Theil einer sogenannten Doppelkapelle bildet, der als Bestattungs- ort gedient hat. Die auf Christus, die Auferstehung und die Unsterblichkeit der Seele bezüglichen Darstellungen entsprechen so in allen Stücken den in den römischen Katakomben vorkommenden symbolischen biblischen Malereien, daß sie nur von einem herrühren können, der in der Kunst der Katakomben heimisch war, und auch in keine spätere Zeit als in das IV. Jahrhundert zu setzen sind. Die im III. Bande „Ungarn" (Seite 215) abgebildete gläserne Schale von Szegzard ist ein sogenanntes vss diatretum, wie sie von den Römern in großer Voll kommenheit angefertigt wnrden, und zwar ein Exemplar von ganz seltener Schönheit. Sie besteht aus zwei Glasschichten, deren innere das eigentliche Gefäß darstellt, während aus der äußeren freistehende, nur mit ihrem oberen und unteren Ende an der inneren Schichte haftende Buchstaben ausgeschnitten sind. Die Buchstaben bilden folgende Worte: ??!- das heißt: „Opfere dem Hirten, trinke, dn wirst leben." Der Landestheil jenseits der Donau, dem seit dem ersten Auftreten der Römer eine so große weltgeschichtliche Wichtigkeit zukommt, spielt während der Völkerwanderung keine geringe Rolle. Hier beginnt der Zerfall des weströmischen Reiches, als zu Anfang des V. Jahrhunderts die Hunnen erscheinen und Pannonien thatsächlich aufhört, ein römisches Land zu sein. Auf ihren Spuren stürmen die germanischen Gothen, Gepiden und Langobarden einher, sodann die den Hunnen verwandten Avaren und verschiedene slavische Stämme, bis zu Ende des IX. Jahrhunderts die Eroberung des Landes durch die Magyaren den mehr als vierhundert Jahre umfassenden Zeitraum der Völkerwanderung beschließt. Die germanischen Völker haben ihren Bangeist in mehreren Gegenden Westeuropas bewiesen, hier jedoch hielteu sich die Gotheu kaum 80 Jahre lang (453 bis 536), die
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (4), Band 16
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (4)
Band
16
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.18 x 21.71 cm
Seiten
616
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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