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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Band 16
Seite - 108 -
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108 und sie bieten mehr oder weniger Beispiele für alle Bestattungsarten. In den meisten waren Frauen und Kinder beerdigt; Männergräber sind selten, noch seltener solche, in denen sich neben dem Todten auch sein Pferd vorfand. Daher sind diese Gräber nicht reich an Waffen, hingegen um so ergiebiger an Schmncksachen, wenn diese auch nicht viel Ab- wechslung bieten. Sie bestehen aus einigen Ringen, Armreifen, Speichenrädern und Scheiben, zahlreichen Ohrringen und Haarnadeln und dreizehn Hafteln, welche römischen Ursprungs sind. Die Männer trugen reichverzierte lederne Gürtel. Alle jene Gegenstände sind aus Silber, aus vergoldeter oder versilberter Bronze, auch mit Silber eingelegtem Eisen verfertigt. Von Goldschmuck finden sich nur wenige Bruchstücke. Das Ohrgehänge ist ein ungewöhnlich großer Reif, an dem ein birnen- oder kegelförmiges Filigrankörbchen mit Draht an zwei oder drei Stellen festgebunden ist. Eine andere nicht minder eigenthümliche Art von Ohrgehänge besteht aus einem Reif, der mit zwei angelötheten Knöpfen geschmückt ist, und zwar so, daß der eine Knopf sich am äußeren, der andere am inneren Rande des Reifes befindet. Die Haarnadeln sind lang, ihre Öse ist vierfach gespalten, zuweilen sind sie durch Ringe gegliedert, an denen sich als Zierath kleine Knöpfe befinden. Nicht minder charakteristisch sind die aus Silberblech gepreßten oder aus Bronze gegossenen, durchbrochen gearbeiteten Zierathen an den Ledergürteln der Männer; sie stellen Greife und andere Thiere oder Pflanzenformen vor. Zur Verzierung des Gürtels gehören noch herabhängende, in einer ebenso gearbeiteten Silberscheide endigende Riemen, ferner die Hafteln und Schnallen. Die Theile des Pferdegeschirres sind das Gebiß, die Schnalle und der kreisförmige Steigbügel, sämmtlich aus Eisen. Die Thongefäße sind primitiv. Der Keßthelyer Fund befindet sich zum größten Theil im Ungarischen National- museum, das Übrige im Museum zu Steinamanger. Für die bei Nemesvölgy im Wieselburger Comitat geöffneten Hunnengräber sind besonders die mit ausgelötheteu Knöpfen verzierten Ohrringe charakteristisch. Ebenda wurde auch ein Schwert mit gekrümmter Spitze ausgegraben. Ferner sind im Ungarischen Nationalmuseum die an Zahl geringeren, jedoch gleichfalls interessanten Gegenstände aus den Hunnengräbern bei Püspök-Szent-Erzsebet im Baranyaer Comitat zu beachten. Die hunnische Begräbniß- stätte zu Gerjen im Tolnaer Comitat ist arm; es wurden da nur rohe Thongefäße gefunden. Denkmäler, von denen mit Sicherheit zu behaupten wäre, daß sie direct von den germanischen Völkern herstammen, sind im Gebiet jenseits der Donau bisher nicht gefunden. Als solche wären vielleicht ein paar prächtige Fibeln zu betrachten, die zu Györkönyös im Tolnaer Comitat gefunden wurden und sich jetzt im Ungarischen National- museum befinden. Sie haben die Form einer Grille und sind aus Silber, das mit einer
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (4), Band 16
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (4)
Band
16
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.18 x 21.71 cm
Seiten
616
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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