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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Band 16
Seite - 112 -
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1l2 Gegend von Stuhlweißenburg einen volkreichen Knotenpunkt hatten. In Sar-Pentele wurde ein Votivstein gefunden, den die gesammte Priesterschaft Pannoniens dem Jupiter Dolichenns errichtet hat. Diese Gegend war also auch schon ein religiöser Hauptort der Römer. Da wir wissen, daß die ersten Christen überall den Kampf gegen die heidnische Religion aufnahmen, dürfen wir annehmen, daß sie diese auch in ihren pannonischen Brennpunkten aufsuchten und dort angesichts der falschen Götter dem wahren Gotte eine Kirche erbauten. Die alten religiösen Überlieferungen der Stuhlweißeuburger Gegend mochten noch lebendig gewesen sein, vielleicht sogar ihr Andenken sich noch an die Trümmer von Bauwerken geknüpft haben, und dies mag für den Begründer des ungarischen Christen- thums und Königthums entscheidend geworden sein, daß er, nachdem die staatliche und kirchliche Organisation des Reiches beendet war, gleichsam zu deren Krönung hier die Kirche des christlichen Königreiches erbaute. Gran, Veßprem, Raab, Fiinfkirchen, Martins- berg und Szalavär waren einst römische Colonien, ja wir kennen sogar auf sie bezügliche christliche Überlieferungen theils aus der pannonischen, theils aus der Völkerwanderungs- zeit. Die in die Römerzeit fallende christliche Vergangenheit von Fünfkirchen und Pannonhalma haben wir schon im vorigen Aufsatz behandelt. Als der Wojwode Göza den Graner Burghügel zu seinem Sitz erwählte, da stand dort bereits eine dem St. Stephan Protomartyr geweihte Kirche. In dieser wäre nach der Überlieferung sein Sohn Vajk getauft und später auch gekrönt worden. Zu Martinsberg ließ Karl der Große zu Ehre« des heiligen Martin eine Kapelle erbauen. Raab war einer der Endpunkte des Bekehrungs- feldzuges dieses Kaisers. Veßprem soll vor Einwanderung der Magyaren die Burg von Svatopluks Vater gewesen sein. In Szalavär bestand ein römisches Castrum, dessen Mauerreste man noch vor vierzig Jahren sehen konnte. Hier gab es schon in römischer Zeit Christen und hier wurde der römische Soldat und Märtyrer Adrianus begraben. Auf den Trümmern der Beste ließ zu Anfang des IX. Jahrhunderts der aus Mähren vertriebene Privina durch Salzburger Werkleute Burg und Kirche erbauen; die letztere wurde durch den Erzbifchof von Salzburg geweiht. Die alten Namen dieser Orte waren wohl zur Zeit der magyarischen Eroberung schon vergessen, doch konnten wenigstens ihre Trümmer noch vorhanden sein. Auch die größte Stadt der Römer in diesem Landestheil, Aqnincum, war durch die Völkerwanderung nicht hinweggefegt, wozu diese ja gar nicht Zeit genug hatte. Die Verwüstung begann, als unter den Königen aus dem Hause Ärpads in dieser Gegend eine königliche Burg und Kirchen erbaut wurden. Bonfinins kannte im XV. Jahrhundert den Namen Aqnincum nicht mehr, die Ruinen aber sah er, wie selbst uoch englische Reisende im XVIIl. Jahrhundert. (?oevcke, äescription ok Uie I^ast ancl some otker eountries. London 1743 bis 1745.) Also erst in neuester Zeit wurde die Verwüstung eine vollständige und geriethen die Trümmer unter die Erde.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (4), Band 16
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (4)
Band
16
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.18 x 21.71 cm
Seiten
616
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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