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In Szalavär wurde ein Steinbalken gefunden, der auf einer Seite mit solchem
geschnitzten Flechtwerk verziert ist. Ein Steinsarg im Ungarischen Nationalmuseum, der
auf einer Schmalseite den Verstorbenen von einem fliegenden Engel gen Himmel getragen
zeigt, weist an beiden Langseiten das charakteristische Flechtornament auf. Es ist ungewiß, ob
der Sarg aus der Altosuer oder Stuhlweißeubnrger Gegend stammt; dagegen ist er
zweifelsohne ein unverfälschtes Beispiel der zur Zeit Stesans des Heiligen noch
gebräuchlichen Verzierungsweise. Derartiges Schnitzwerk dürfte anch die Chorschranke der
Stnhlweißenbnrger Kirche gehabt haben.
Dieses wichtigste Baudenkmal des magyarischen Christenthums war, obgleich aus
gutem Material erbaut, doch nicht haltbar genug, so daß es allem Anschein nach schon
nach kaum 150 Jahren einen Neubau nothwendig machte. Einzelne ausgegrabene Details,
darunter figttrale Pfeilercapitäle, weisen darauf hin, daß der Neubau unter König Bila III.
(1173 bis 1196) erfolgt sein dürfte. Karl Robert (1308 bis 1342) stellte die zu öfteren
Malen abgebrannte Kirche wesentlich umgestaltet wieder her. Ludwig der Große (1342
bis 1382) fügte eine königliche Grabkapelle hinzu. Zum dritten Male wurde sie durch
Matthias I. (1458 bis 1490) neu aufgebaut. Unter der Türkenherrschaft brannte sie im
Jahre 1601 zum letzten Male ab und fiel seitdem der Vernichtung anheim.
Über den Ursprung der in der Graner Festungsmauer befindlichen alten Kapelle
ist nichts Sicheres bekannt. Die Sage läßt Stefan den Heiligen dort geboren werden.
Über die ältesten, an den Bischofssitzen erbauten Kirchen besitzen wir kanm irgend
welche Daten. So weit sie unter Stesan dem Heiligen entstanden sind, dürften sie eilig
und mit geringer Fachkenntniß aufgeführte Bauten gewesen sein. Auch die durch Königin
Gizella in Veßprem erbaute Kirche war nicht dauerhafter als die übrigen. Ob zur Zeit
Stefans auch in Raab eine Kirche erbaut wurde, ist durch keine Daten bezeugt. War
dies der Fall, so ging sie auch rasch wieder zu Grunde und an ihre Stelle trat im
letzten Viertel des XII. Jahrhunderts ein romanischer Ban, als dessen Reste wohl in der
jetzigen, mehrmals ernenerten Hauptkirche die mächtigen halbkreisförmigen Apsiden zn
betrachten sind.
Die vom Wojwodeu Geza begonnene und von Stefan dem Heiligen beendete
Münsterkirche zn Martinsberg ist vernichtet, desgleichen die znr Zeit der Gründung dieser
Benedictiner-Abteien entstandenen Bauten zu Pöcsvarad, Szalavär und Bakonybel. Ähnlich
erging es zwei anderen Abteien; die eine war durch Tata (Deodata), deu angeblichen
Taufpatheu Stefans des Heiligen, an dem nach ihm Tata (Totis) genannten Orte im
Komorner Comitat, die andere durch Herzog Almos im Jahre 1055 zu Dömös gegründet.
König Andreas I. erkor sich Tihany, diesen halbinselförmig in den Plattensee ein-
springenden Felshügel znr Begräbnißstätte und stiftete dort zu diesem Behuf im Jahre 1054
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch