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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Band 16
Seite - 130 -
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130 er schafft einen vollkommenen Reichthum, in dem es nichts Überflüssiges gibt. Ein großer, mit der feinsten Empfindung begabter Künstler, dessen Name leider verschollen ist und von dem man nur vermuthen kann, daß er sich an der französischen Baukunst genährt hat, wühlt hier mit voller Hingebung und dennoch mit Besonnenheit in der Mannigfaltigkeit der Formen und genießt mit BewnDsein die Freude des Hervorbriugens. Im Schaffen selbst steigert sich seine Schaffenskraft. Gewiß hat der Bau in weniger gebräuchlicher Weise mit der Hauptfa^ade begonnen. Die beiden gedrungenen quadratischen Thürme und die zwischen ihnen aufragende Giebelwand sind noch einfach; indem sie sich auf den herkömmlichen Rundbogenfries und die durch Säulen getheilten Doppelfenster beschränken, wirken sie mehr durch ihre Masse. Im Obergeschoß der Thürme jedoch, wo die Wand von einem reicher gebildeten Rundfenster durchbrochen ist, meldet sich plötzlich ein Künstler, der den Reichthum der gothischen Baukunst kennt und sich zu dem Unternehmen anschickt, in dieser Gegend, wo die Gothik noch fremd ist, innerhalb der romanischen und Übergangsformen einen nicht minderen Reichthum hervorzuzaubern. Zwischen den Thürmen, am Fuße der Fa^ade und aus ihr hervorspringend erhebt sich gleichsam als Gebilde für sich eine Giebelwand. Ihr Zweck ist, den Werth des Thores zu steigern. Hier läßt der Meister in gewaltigen Aceorden den ganzen Chorus der Formen erklingen. Im Giebelfeld über dem Portal stehen in Nischen, die mit Säulen und einem runden Dreiblattbogen eingefaßt sind, die Gestalten Christi und der Apostel, die den Nahenden sofort zur Andacht anregen. Unterhalb und seitwärts in Nischen, die ans den Wänden der Thürme ausgespart find, deuten symbolische Thierfiguren die Ahnungen der gläubigen Seele an. Die Thoröffnung hat am Saume einen mit fester Hand gemeißelten Mäander; diesem folgt nach innen ein in die Wand eingemeißelter Zahnschnitt und diesem ein zweiter, der, eben nur die Wandfläche streifend, beiderseits mit leichtem Schwung zu der stumpfen Spitze emporgleitet. Das erste Säulenpaar der Leibung hat verzierte Schäfte und steht auf den Rücken von hungrigen beutesuchenden Löwen, dem Sinnbilde des Teufels. Dahinter folgen je ein glatter und hierauf wieder je vier verzierte Säulenschäfte. Ebenso mannigfaltig gliedert sich das Gewölbe der Oeffnnng, nach außen mit drei Spitzbogen, nach innen mit drei Rundbogen. Zu innerst im Bogenfeld über dem geradlinigen Thürsturz staud einst Christus, der segnend die Rechte erhob, in der von zwei Engeln gehaltenen Mandorla. An den beiden Langseiten haben die über die steilen Halbdächer der Seitenschiffe nur wenig emporragenden Wände ein sägesörmiges Gesimse und darunter einen lebendig profilirten mächtigen Rundbogenfries, während unter dem gleichfalls sägesörmigen Gesimse der Seitenschiffe ein Fries von Dreiblattbogen entlang läuft und Säulenschäfte, sowie ab und zu in kleinen Nischen untergebrachte figürliche Darstellungen die Eintönigkeit der Wandfläche unterbrechen.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (4), Band 16
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (4)
Band
16
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.18 x 21.71 cm
Seiten
616
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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