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im Barockstil vollgeräumt und ausgeweißt. In diesem Zustande ging sie 1802 an den
Benediktinerorden über.
An der Südseite der Kirche befand sich einst der Kreuzgang, dessen architektonisch
bemerkenswerthester Theil das Kapitelhaus war. Dieses war ein durch zwei Pfeiler und
zwei Säulen in neun Joche getheilter, mit einem Kreuzgewölbe gedeckter Saal von
8 50 Meter Länge und 7 90 Meter Breite. Die Säulencapitäle und aus den Wänden
vorspringenden Consolen sind mit mancherlei interessant geformten Thieren geschmückt.
Zum Theil sind sie eingemauert. Der Saal dient jetzt in einem Zustande bedauerlicher
Vernachlässigung als Rumpelkammer.
Ende des XV. Jahrhunderts entstanden in Ödenburg noch zwei kleinere gothische
Bauwerke: die Kirche Johannes des Täufers und die Heilige Geistkirche. Beide haben
durch spätere Umgestaltung ihre ursprüngliche Form verloren.
Eines der ältesten spitzbogigen Bauwerke im Ounäntül ist die sogenannte Gisela-
Kapelle zu Veßprem. Sie hat eine Unterkapelle mit rnndbogigem Kreuzgewölbe. An
ihren Langwänden und der geraden Abschlußwand waren Maria und die Apostel in
Malereien aus dem XIII. Jahrhundert dargestellt. Im Jahre 1772 wurde die Kapelle
sammt den Malereien erneuert, so daß blos noch an zwei Figuren der Nordwand Spuren
der früheren Farbe übrig sind. Von der gothischen Oberkapelle sind an der Mauer des
benachbarten bischöflichen Palastes und Domherrenhauses Bruchstücke erhalten. Zu Baräti
im Veßpremer Comitat, nahe dem Plattensee, sind noch die Trümmer des gothischen
Sanctnariums einer Panlinerkirche und Spuren der Klostermauer vorhanden. Im Bakony
sind Reste von gothischen Kirchen an mehreren Punkten zu finden. Die Prämonstratenser-
kirche in Keßthely war ursprünglich eine Ordenskirche der Franciscaner und angeblich
von Stesau, dem ersten Palatin des Königs Sigismnnd im letzten Viertel des
XIV. Jahrhunderts, gegründet. Sie ist eine einschiffige kleinere Kirche (21 81 Meter
lang, das Schiff 9 5 Meter breit), das Sanetuarium ist etwas schmäler als das Schiff
und schließt mit drei Seiten; innen gliedern sich die Langwände durch Pfeiler, die
aus dem Achteck gebildet sind; diese stützen die einfachen Rippen und Gurten des
Kreuzgewölbes, dessen Schlußsteine mit Wappen geschmückt sind. Die Wandpfeiler des
Chores sind durch baldachingekrönte Nischen belebt. Die Leibung des Hauptthores ist
einfach. An der Fa^ade öffnet sich, in Stein gehauen, ein schönes, aber mit einfachem
Maßwerke verziertes Rundfenster; auch das Maßwerk der Fenster ist einfach. An
der nördlichen Ecke der Westfa^ade erhebt sich ein Thurm, der erst in neuerer Zeit
vollendet wurde.
Die weniger gewählte und sorgfältige Bauweise der Franciscaner im XIV.
und XV. Jahrhundert hat jenseits der Donau noch in mehreren Städten Spuren
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch