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Verschwunden sind auch die Franciscanerkirchen zu Veßprem und Stuhlweißenburg, die
durch König Ladislaus IV. im Jahre 1280 erbaut waren. Dagegen ist in Stuhlweißenburg
die dem XV. Jahrhundert ungehörige St. Anna-Kapelle noch recht gut erhalten.
Von den kleineren Dorfpfarrkirchen seien die von Mariafalva und Sämfalva im
Eisenburger Comitat erwähnt. Auf dem Grund der ersteren entstand in den letzten Jahren
nach den Plänen des Architekten Emerich Steindl ein Neubau. Die zu Sämfalva ist eine
kleinere einschiffige Kirche von schönen Verhältnissen; ihr Sanctnarinm von zwei Jochen
hat einen Polygonen Abschluß. Einen Thurm hat sie nicht. Bemerkenswerth ist an ihr, daß
die Rippen und Grate des Chores, die Leibungen und Pfosten der Fenster, die Einfassung
der an der Nordseite befindlichen Thür n. s. w. aus rothbrauner Terracotta bestehen;
ihre Mauern sind theils aus Backstein, theils aus Bruchsteinen gebaut.
Erwähnenswerth sind noch im Eisenburger Comitat die Kirchen zu Martyäucz und
Velemer. Beide sind kleine, bescheidene einschiffige Bauten; ihre Chorabschlüsse sind drei-
seitig, an der Westfront haben sie einen Thurm, in dessen unterem Geschoß sich das Thor
öffnet. Die Wandgemälde in ihrem Inneren sind interessant. In der Kirche zu Martyäucz
sind die Malereien des Schiffes zu Grunde gegangen, die im Chöre aber noch erhalten
und niemals überweißt gewesen. Am Gewölbe ist die himmlische Glorie, an den Seiten-
wänden sind der leidende Christus, der die Seelen wägende heilige Michael, der in
Pannonien geborene heilige Martin, Bischof von Tours, in verschiedenen Scenen seines
Lebens, dann heilige Frauen, unter ihnen Elisabeth und Margaretha, und die Apostel
dargestellt. Am oberen Theile der südlichen Chorwand stellt sich auch der Urheber der
Bilder vor. Auf grünem Hügel, vor rothem Hintergrunde, kniet er und betet mit gefalteten
Händen; vor der Figur liest man auf einem senkrechten Spruchbande die Worte: „Omnes
suneti vrute pro ms llokunne ^cjuilu pictore". Nach der Inschrift des über deu
Bildern befindlichen Gesimses ist der Erbauer der Kirche Meister Aquila (Item ^nno
U. 1,. XXX. II. aeiZillcata kuit ista eoclesia viäelicet tempore plebarü Lrusmi,
per inanu8 5okar>nis .Xcjuile <Zs liukespurFu). Die Kirche zu Velemer steht verlassen, in
rninenhastem Zustande; die Malereien an ihren Wänden, ohne Zweifel gleichfalls Aquilas
Werke, stellen die Anbetung der Weisen aus dem Morgenland, einige Scenen aus der
Passion Christi, das jüngste Gericht, die Evangelisten, St. Michael und noch einige
Heilige vor. Die Herstellung der Gemälde stimmt hinsichtlich der Zeichnung, Gruppiruug
und Färbung mit den schon früher besprochenen Wandbildern der Kirchen zu Tötlak uud
Turuicse überein; sie sind die Werke, wenn nicht eines Meisters, doch augenscheinlich
einer Schule. Die auf den Bildern von Martyänez und Velemer dargestellten Gebäude
und baulichen Details sind überaus mangelhaft und beweisen, wie auch die ganze Kirche
von Martyancz, daß Aquila ein sehr mittelmäßiger Architekt gewesen sein dürfte.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch