Seite - 188 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Band 16
Bild der Seite - 188 -
Text der Seite - 188 -
188
Nikolaus Bekässy und Matthias Hathalmy waren ihren etliche Wochen früher auf dem
Schlachtfelde empfangenen Wunden erlegen. Die noch vorhandene geringe Besatzung
suchte bei Hassaus Annäherung das Weite und so fiel diese wichtige Burg ohne Schwert-
streich in Türkenhand.
Sinan ernannte Semender Pascha zum Commandanten der Burg. Es war dies
ein ungemein geschickter und behender Mann, der sogar daran ging, mit Hilfe des aus
der Umgebung herzugetriebenen Landvolkes die Beste zeitgemäß und in großem Stile
auszubauen. Da die an der Stadt vorbeifließende Tapolcza damals weder eingedämmt,
noch regulirt war, standen auf der an die Stadt stoßenden fruchtbaren Ebene, den jetzigen
„Teichgärten", breite undurchdringliche Sümpfe, unter deren Schutz jener höher gelegene
Stadttheil, wo jetzt bis zur Basteigasse hin das Schloß, der große Markt, das Rathhaus
und das Comitatshaus stehen, ein starker Lagerplatz werden konnte, wenn man ihn mit
den nöthigen Gräben, Dämmen, Wehren und befestigten Thoren versah. Und in der
That stellte Semender Pascha all' dies so trefflich her, daß schon nach zwei Jahren die
ungarischen Truppen nur nach harter Belagerung Herren der Beste wurden. Die Führer
des ungarischen Heeres waren Georg Zrinyi, Franz Batthyäny, Stefan Török und
Franz Derzsfy, die besten Krieger und Corpsführer ihrer Zeit.
Das Jahr 1600 brachte der Bevölkerung von Papa eine furchtbare Heimsuchung.
Es bezogen nämlich 1000 Franzosen unter dem Oberst de la Mothe Winterquartier in
der Stadt. Hier commaudirte Maröthy, der unter den Söldnern strenge Disciplin hielt.
Diese wollten das nicht dulden und verschworen sich gegen ihn, Maröthy und seine beiden
Lieutenants wurden entwaffnet, die Burg besetzt, die Stadt vollständig ausgeplündert,
zerstört, verbrannt, worauf sie die Burg für Geld dem Pascha von Stuhlweißeuburg
anboten.
Von dieser schauerlichen Verwüstung erholte sich Papa nur langsam. Der Reichs-
tag des Jahres 1647 sicherte den Bürgern die nämliche Mauthfreiheit nebst sonstigen
Privilegien, wie denen von Raab und Komorn. Ende 1703 gelangte Papa in den Besitz
Fürst Franz Raköczys II. und sein Commandant hieß Ladislaus Sändor. Im Jahre
1705 verlor es Alexander Karolyi an die Kaiserlichen, es wurde jedoch schon im November
desselben Jahres durch den Kurntzengeneral Johann Bottyän belagert und wieder
genommen. Nachdem die stürmischen Zeiten vorbei waren, entstanden außerhalb der Burg
uud Stadt längs der Festungsgräben nach und nach dorfartige Niederlassungen und
Baulichkeiten, die jedoch nur von dem unter allen Pflichten der Hörigkeit seufzenden
Bauernvolk bewohnt waren. So stand es um die Stadt Papa bis zur Beendigung des
letzten Kurutzenkrieges, als ihr Grundherr, Graf Franz Esterhäzy, sowohl mit der inneren
Stadt, als auch mit den äußeren Städten einen Vertrag schloß und durch die Vereinigung
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch