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mit dem Csapößer, östlich und südlich der Cserhat mit demTäborallas (Lagerplatz), westlich
der Jerusalemsberg und mitten zwischen diesen der Festungsberg mit dem Benediktsberg,
Sie sind sämmtlich selbst an ihren steilen Abhängen größteutheils mit Gebäuden besetzt,
daher es auch mit Ausnahme von Schemnitz im ganzen Lande keine Stadt von so
felsiger, zerklüfteter, ungleichmäßiger Lage gibt als Veßprem.
Von Westen her kommt durch ein malerisches Thal das Södflüßchen an die Stadt
heran, in deren Innerem es den St. Benediktsberg umfließt und mit einer kleinen Schwen-
kung den Lauf nach Norden nimmt. Au seinem linken Ufer liegt ein steiler Hügel, auf
dem zwei Stadttheile stehen: Temetö-Hegy und Csapößer. Auf diesem Hügel befindet sich
der alte Friedhof mit einer Kapelle und weiterhin jenseits Csapößer auch die Gärten und
Landhäuser der Domherren. Am Fuße dieses Hügels steht das Waisenhaus „Davidicnm"
und in der Richtung des Nordgipfels des St. Benediktsberges, westlich im Sed-Thale,
findet man noch einige Trümmer des durch Stesan den Heiligen gegründeten, jedoch
längst zerstörten „Veßpremthaler"-Klosters, auch Kloster der griechischen Nonnen genannt.
Diesen Nonnen gehörte einst das Dorf Vörös-Bereny am Plattensee nebst der
gleichnamigen Herrschaft. Der Stiftungsbrief dieses Klosters wurde durch Stesan den
Heiligen in griechischer Sprache ausgestellt. Er ist das einzige in dieser Sprache abgefaßte
Schriftstück des ungarischen Urkundenschatzes.
Der St. Benediktsberg hängt mit dem sogenannten Festungsberg zusammen, welcher
steil aus dem Sed-Thale aufsteigt und seit vorgeschichtlicher Zeit eine feste Burg, ja eine
bedeutende Festung getragen hat. Der Festungsberg ist westlich durch das lange Thal
(kloss?ü-völ^), nördlich durch das Sed-Thal, östlich durch das Buhim-Thal von den
umliegenden Höhen getrennt; mit den Palästen des VeßprsmerBischoss und derDomherren,
mitKlöstern undComitatsgebänden vollgebaut, erinnert er,obwohl derMaßstab ein kleinerer
ist, ohneweiters an die Osner Festung. Wie diese auf die Donau, so blickt die „Festung"
von Veßprem nach Osten auf das Buhim-Thal nieder. Einst war dieser Festungsberg
auch an der Südseite, gegen den Markt hin, dnrch eine tiefe natürliche Schlucht von der
inneren Stadt getrennt. Diese große Schlucht diente zugleich als Burggraben, über den
man nur auf einer Zugbrücke in die Beste gelangen konnte. In der Festung stehen außer
fünf Privathäuseru das bischöfliche Palais, die Domherrenhäuser, das Piaristenkloster
mit Gymnasium, der städtische Wartthurm, das Gebäude des königlichen Gerichtshofes,
das alte Comitatshans und das Gerichtsgefängniß; außerdem die bischöfliche Kathedrale,
an deren Südseite sich die sogenannte Gisela-Kapelle befindet, welche nach der Überlieferung
zur Zeit Stefaus des Heiligen erbaut, also nahezu 900 Jahre alt sein soll. Auf dem
nördlichsten Vorsprung des Festnngsberges endlich steht das bischöfliche Seminar und
Convict, sowie das Deficienten-Gebände der bischöflichen Diöeese. Von der Söd-Brücke
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch