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Kirchen und Pfarrhäuser in Brand steckten. Der Erzbischof von Kaloesa, Szechenyi, selber
hat über all dies einen erschöpfenden Bericht an den Kaiser erstattet. Seitdem sind
nahezu 200 Jahre des Friedens über die Stadt hinweggegangen. Ihre Wälle stehen
zum großen Theil noch so wie vor Jahrhunderten, doch dienen sie jetzt keinen kriegerischen
Zwecken und sind dazu auch nicht geeignet. Nur an der Westseite, längs der Mauern des
alten Comitatshauses, sind die Wälle abgetragen und an ihrer Stelle wurde in den
Vierziger-Jahren das sieben Stock hohe Comitatsgefängniß erbaut. Ferner fehlen die
Wälle an der Südseite, wo auch der Festungsgraben ausgefüllt ist und jetzt der städtische
Wachtthurm nebst einigen Häusern aus neuerer Zeit sich erhebt. Oben in der Festung
sieht man vor dem bischöflichen Palais einen Brunnen mit einem Sammelbecken, in den
das Wasser durch eine sinnreiche Mühlenconstrnction aus dem 50 Meter tiefer gelegenen
Bnhin-Thale gehoben wird.
Und nun wenden wir uns zu der Umgebung Veßprems.
Nördlich von der Stadt, an der nach Zircz führenden Straße, liegt Rätöt, in
Urkunden Ratold genannt, der uralte Besitz des einst überaus mächtigen und berühmten
Geschlechtes Rätoldi-Gyulaffy. Schwache Spuren der Gynlaffy'schen Stammburg sind
in Rätöt noch jetzt zu sehen. Auch die noch bestehende und reich begüterte Propstei Rätöt
ist durch diese Familie (1255) gestiftet.
Südöstlich liegt nahe bei Veßprem die adelige Ortschaft Szent-Jstvän-Kiräly-
Szabadja (König Stefans des Heiligen Freiheit). Überhaupt müssen sich in der Gegend
des Bakony die Privatgüter des Ärpädenhanses befunden haben, dies beweisen nicht nur
die Namen der Pußta Jutas , nördlich von Veßprem, und des Dorfes Tevel in der
Nähe von Papa, als Namen von Söhnen Ärpäds, sondern auch die vielen Ortschaften
in der Bakonygegend, welche die Namen der alten heiligen Könige von Ungarn tragen.
So das eben erwähnte Szent-Jstvan-Kiräly-Szabadja, das jedoch im gewöhnlichen
Sprachgebranch nur Szentkiräly-Szabadja heißt, dann gleich in der Nähe Szent-
Jstvän (Stefau der Heilige), weiterhin am Nordabhang des Bakony Bakony-Magyar-
Szent-Kiräly (Ungarischer heiliger König im Bakony) und Bakon Y - N e m e t -
Szent-Kiräly (Deutscher heiliger König im Bakony), ferner Bakony-Magyar-
Szent-Läszlö (Ungarischer heiliger Ladislans im Bakony) und Bakony-Nemet-
Szent-Läszlö (Deutscher heiliger Ladislaus im Bakony).
Hier sind auch Öskü und der Kikeri-See zu erwähnen, die, nahe bei Veßprem
gelegen, noch dem mittleren Bakony angehören. In Öskü steht auf rundem Kalkstein-
felsen noch ganz wohlerhalten eine türkische Moschee, deren Stil dem der Ofner Moschee
entspricht. Sie war augenscheinlich das Grabmal eines hervorragenden Türken und wird
jetzt als christliche Kapelle benützt. An der Straße zwischen Öskü und Var-Palota liegt
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch