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Unter den Familien des Hochadels finden wir als größte Grundbesitzer die
Fürsten Paul Esterhäzy und Gustav Batthyäuy, sieben Grafen Esterhäzy, je zwei Grafen
Draskovits, Festetits und Zichy, die Grafen Nädasdy, Sztäray, Szecheuyi, Erdödy,
Niezky und Lazsänßky, ferner zwei Barone Fiäth. Der niedere Adel war einst sehr
zahlreich und verfügte über 4000 bis 5000 Stimmen. Es gab adelige Dörfer von aus-
gedehntem Gebiet, so im mittleren Bakony: Szentgäl, Szentkiräly-Szabadja, Vämos,
Leänysalu, Öcs und Mentshely, in der Päpaer Gegend: Tapolczasö, Adäz-Tevely,
Homok-Bödöge, Aesäd, Görzsöuy, Mihälyhäza, Nemes-Szalök u. s. w., in denen die
ganze Bevölkerung adelig war. Hieher gehören noch in der Gegend von Somlyo:
Adorjänhäza, Nagy-Alasony, Böd6, Halimba, Gergelyi, Csögle, Kis- und Nagy-Pirit,
Pußta-Miske, Bor-Szörcsök, Karakö-Szörcsök und Kisjenö. In manchen Dörfern wohnten
die Adeligen mit den Hörigen untermischt; solche waren im Mezösöld: Szilas-Balhäs,
Mezö-Szent-György, Balatonsö-Kajär und Csajäg, ferner in der Gegend von Päpa und
Devescer: Noßlop, Miske, Ajka u. a. m. Der Adel ist durchwegs magyarisch, die einstigen
Hörigen sind es größtentheils; nur in den bergigeren und waldigeren Theilen der Bakony--
gegend sitzt eine deutsch und slovakisch sprechende Bauernschaft, die aber auch erst im
vorigen Jahrhundert, und zwar ausschließlich durch einige Magnaten und Kirchenfürsten
hier angesiedelt wurde. Sowohl die Deutschen, als auch die Slovakeu wohnen gesondert
für sich in zerstreuten Gebirgs- und Walddörfern. Allgemein magyarisch ist die Bevölkerung
von Mezösöld im Tieflande der Päpaer Gegend längs des Somlyo und Marczal, sowie
im Norden des nördlichen Bakony in der Nachbarschaft der Comitate Raab und Komorn.
In Hinsicht auf Tracht und Sit ten haben sich Deutsche und Slovakeu völlig
den Magyaren angepaßt und sprechen mit geringen Ausnahmen auch deren Sprache.
Innerhalb des Magyarenthums sind zwei durch den Bakony geschiedene Schattirnngen
einigermaßen zu unterscheiden. Die Magyaren des Mezösöld sind sowohl sprachlich, als
auch in ihren Sitten mit denen der Comitate Weißenburg und Tolna völlig identisch.
In der Gegend nordwestlich vom Bakony, wie auch in Päpa und am Marczal nähert sich
der Dialekt mehr dem der Palöczen, weshalb er auch von Manchen „West-Palöczisch"
genannt wird; der Mittelpunkt seiner Verbreitung ist die Raab Gegend, er erstreckt sich
auch schon auf die Magyaren in der Umgebung von Päpa und Devecser.
Der wirthschaftliche Zustand beruht auf der landwirthfchaftlichen Roh-
prodnetion sowohl bei dem herrschaftlichen Großgrundbesitz als auch bei den mittleren
und Kleingrundbesitzern. Die bäuerliche Classe stammt, mit sehr geringen Ausnahmen,
von den früheren Hörigen her. Ihren wirthschaftlichen und Besitzverhältnissen gleichen
jedoch auch die des Kleinadels, der auf seinem kleinen Grundbesitz lebend sich zu ganzen
Gemeinden verdichtet, so in Szent-Kiraly-Szabadja, Vämos, Szentgäl, Tapolczasö u. s. w.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch