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nur mit ihren äußersten Wellenringen und oft überhaupt nicht. Von den Kämpfen eines
Boeskay, Georg Räköczy und Tököly spürt das Zalaer Comitat so viel wie nichts. Doch
dringen die siegreichen Heere Bethlens auch hieher vor und die Generale Franz Räköczys II.
brechen mitunter auch in Zala ein. Ebenso lassen die Feldzüge von 1848 bis 1849 Zala
fast ganz aus dem Spiel. Umso höher und reiner war aber die Flamme, mit der hier im
Laufe unseres Jahrhunderts der Kampf der Ideen entbrannte.
In diesem Kampfe standen die Brüder Deäk voran: von 1820 bis 1833 Anton
Deäk und nach ihm mit weit größerer, das ganze Land beherrschender Autorität Franz
Deäk. Zala war durch nahezu 20 Jahre besonders dank der Führerschaft Franz Deals,
eines der wichtigsten leitenden Comitate Ungarns. Es wurde ebenso wichtig wie das
Pester Comitat und wichtiger als selbst Bars, Bihar oder Borsod. Deäk und seine
Genossen, unter denen Ladislans Csänyi der Hervorragendste war, hegten und pflegten
hier die Ideen des Fortschritts nnd die beständigen Keime der edlen nationalen Leiden-
schaften, sie entwickelten dieselben zu Principien und Institutionen, so lange der Kampf
mit verfassungsmäßigen und friedlichen Mitteln geführt wurde.
Die Besitzverhältnisse entsprechen den geschichtlichen und geographischen Momenten,
die das Comitat gestaltet haben. Das für die Landwirthschaft geeignete Gebiet beträgt
etwa 925.000 Katastraljoch. Davon sind 310.000 Joch, also ein Drittel des Gebietes,
kirchlicher, fideicommissarischer oder anderweitiger hochadeliger Großgrundbesitz. Die
Kirchengüter machen etwa 80.000 Joch. Größere Grundbesitzer sind die Bischöfe von
Veßprem und Steinamanger, die Abteien von Zalavär, Kapornak und Tihany, das
Veßpremer Kapitel, der Universitätsfonds des Budapester Ceutral-Semiuars, der Schul-
orden der Piaristen und der Religionsfonds.
Unter den weltlichen Großgrundbesitzern befinden sich zwei regierende Häuser und
zwei fürstliche Familien des heiligen römischen Reiches. Jene sind der Graf von Flandern
und das Hans Coburg, diese die Fürsten Esterhäzy und Batthyäny. Ihr Gesammtbesitz
macht etwa 100.000 Katastraljoch, wovou mehr als drei Viertel den Fürsten Esterhäzy
gehören. Gräfliche Familien, 15 an der Zahl, besitzen etwa 125.000 Joch, wovon das
Meiste den Festetits, dem Päpaer Zweig der Esterhäzy, den Szechenyi, Andrässy nnd
Batthyäny gehört. Kleinere, zum Theil mittlere und sogar Kleingrundbesitzer sind die
gräflichen Familien Erdödy, Deym, Somssich, Zichy, Szapäry, O'Donnel, Pejacsevich,
Hugouuay, Ossich und Zsigray. Dazu kommen noch drei freiherrliche Familien, und zwar
Mikos und Trefesburg mit kleinen Besitzungen, die Simon Sina'schen Erben mit
7.500 Joch.
Der niedere Adel saß und sitzt in Zala seit uralter Zeit in großer Anzahl auf seinen
Gütern. Mehr als 100 Dörfer bestehen aus niederem Adel und verfügten vor 1848 auf
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch