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zusammen, um die unbeschreibliche Schönheit dieser Gegend in ihren Farben und Fvrmen,
in ihrer Mannigfaltigkeit uud mit ihren Perspektiven hervorzuheben. Es ist die Gegend
von Csobäncz. Badacsony und Szigliget. Es ist keine Alpen- und auch keine Voralpen-
landschaft. Die Berge sind nicht so hoch, das Wasser ist kein Meer, die Buchten sind nicht
so tief, die Flüsse nicht so wasserreich, es kennt keinen Schneeberg uud kein Nebel umdüstert
die Höhen; das ist etwas Anderes als das Chamonuix-Thal, etwas Anderes als der Rhein
oder als die Fjorde Norwegens, etwas Anderes als die Schweizer Seen oder die Ufer
Dalmatiens, etwas Anderes auch als Sorrent, obgleich dieses ihm vielleicht am nächsten
steht. Die Verhältnisse freilich sind kleiner, aber die Vollkommenheit besteht darin, daß hier
zahlreiche Factoren der meisten wegen ihrer Schönheit weltberühmten Landschaften auf
relativ engem Raume vereinigt sind und sich gegenseitig heben, steigern, ablösen, ergänzen.
Die nördliche Seite dieses Vierecks bildet eine gedachte Linie, die von Hegyesd
ausgeht und über Haläp nach dem Viszlöer Wald und dem Härmashegy (dreifacher Berg)
zieht. Die Westgrenze ist die dem Lefenczebach folgende waldige Bergkette. Die Südgrenze
zieht der Plattensee, mit den Buchten von Szigliget und Badacsony. Die Ostgrenze endlich
bildet eine von Badaesony-Tomaj gegen Norden bis Hegyesd gezogene Linie. Dieses
Viereck ist etwa 150 Quadratkilometer groß und darin liegen Haläp und Bnrg Csobäncz,
Tapolcza und das Leseuczethal, der St . Georgsberg und Gnläcs, Badacsony und
Szigliget.
Ha läp ist ein kleines Dorf am Fuße des gleichnamigen Berges. Dieser Berg ist
unten kreisrund, er erhebt sich als Kegel und hat oben ein flaches Plateau; sein unterer
Umfang beträgt fünf Kilometer, seine Höhe 360 Meter. Er ist ein vulkanisches Gebilde
mit Basalt und Basaltmischnngen. Von seinem Gipfel öffnet sich eine herrliche Aussicht
nach West, Süd und Nord.
Schicksal und Geschichte der Burg Csobäncz nebst dem am Fuße des Burgberges
liegenden Dorfe Gyula-Keßi sind untrennbar verknüpft mit Namen und Geschichte der
Familie Gyulaffy, die dem berühmten Geschlechte Räthold entstammte. Diese Familie
lebte, blühte und wirkte von der Mitte des XIII. bis zur Mitte des XVIII. Jahrhunderts
immer auf den Höhen der Macht, des Einflusses, in Ungarn wie in Siebenbürgen. Die
Dichtungen Kissalndys umspinnen den Namen Gyulaffy mit dem Zauber der Romantik,
die Liebe der Rosa Gyulaffy wird das schwärmerische Herz der Jugend allezeit tief
bewegen, sowie die Landschaft um Csobäncz mit ihrer unversieglichen Schönheit die
gebildeten Seelen allezeit fesseln wird. Der Berg Csobäncz liegt 7 Kilometer vom
Plattensee, nördlich vom Badacsony, in der Nähe der Dörfer Gyula-Keßi, Diszel und
Gyürhegy; zu diesen sendet er einen Abhang hinab, der einst durchaus mit köstlichem
Weinwuchs bedeckt war. Der Berg ist 376 Meter hoch und erhebt sich 250 Meter über
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch