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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Band 16
Seite - 229 -
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229 die umliegenden Flächen. Gegen Nordwest steigt seine Stirne nach drei Seiten in fast unzugänglicher Steilheit empor und auf dieser Stirnhöhe liegt die Burg, von drei Seiten durch den Abgrund, auf der vierten, gegen das Plateau hin, einst von starken Mauern und einem Thorthurm vertheidigt. Die Burg wurde angeblich durch König Bela lV. um 1250 erbaut. Eine Urkunde des Jahres 1272 nennt sie bereits castrum. Nach der Niederlage bei Mohäcs und besonders nach dem Fall von Weißenburg, Veßpröm und Kanizsa, wurde die Burg trotz ihrer Kleinheit wichtig. Der Reichstag von 1597 ordnete ihre Befestigung und gnte Erhaltung an. In Türkenhand gerieth sie niemals. Eine harte Belagerung hatte sie im Jahre 1707 auszuhalten, als sie dem Fürsten Franz Räköczy II. gehörte und der Kurutzeuoberst Franz Domokos ihr Commandant war. Am 25. Februar 1707 traf der kaiserliche Feldherr Rabutiu mit einem zahlreichen, aber todtgehetzten Heere in Tapoleza ein und wollte die Rast von wenigen Tagen benützen, um die Burg Csobäncz zu besetzen. General Kreuz befehligte den Sturm mit etwa 1.500 Mann. In der Burg befanden sich 30 Heiducken und 30 entschlossene bewaffnete Edelleute aus der Umgegend. Ihr Geschütz bestand aus zwei Haubitzen und einer sünfrohrigen Wallbüchse nebst zwei Centnern Pulver. Der Commandant Franz Domokos war gerade abwesend, er befand sich in Bär Palota, doch waren sein Vice-Commandant Martin Szäz, sowie sein Lieutenant und Hofrichter Peter Döczy entschlossen, die Burg zu halten oder in ihrer Vertheidigung zu fallen. General Kreuz ließ das Burgthor durch eine Petarde sprengen, unter dem Thore jedoch entspann sich ein furchtbares Handgemenge, der General und die Offiziere der Belagerer fielen, Schreck ergriff die Belagerer, welche die geringe Anzahl der Besatzung gar nicht ahnten, und schließlich zogen sie ans dem gewöhnlichen, aber sehr steilen Wege nach Gyula-Keßi ab. Fast unglaublich klingt es, ist aber durch verläßliche Quellen bezeugt, daß das Belagerungsheer einen General, 52 Offiziere und etwa 340 Gemeine verlor. Graf Nikolaus Bercsenyi, Oberfeldherr der fürstlichen Truppen, stellte für Martin Szaz und Peter Döczy ein Belobnngsfchreiben aus uud schenkte ihnen im Namen des Fürsten die am Fnße der Burg befindliche „weiße Mühle" uud den in Badacsony gelegenen Weinberg der „bunten Mönche" von Zircz. Dies war der letzte Kampf der Burg. Nach dem Frieden von Szathmär wurden ihre Manern geschleift und ihre Trümmer sind jetzt das düstere Denkmal einer ausgestorbenen großen Familie und längst verflossener Jahr- hunderte. Die Gunst der Natnr hat jedoch auch ein zartes Erinnerungsstück an die Damen des Hauses Gyulassy verschont, ihren Blumengarten auf dem Plateau vor der Burg. Der Garten ist verwildert, verrottet, er bildet eiu verwachsenes Dickicht von Kornelkirschen, „schwarzem Ahorn", Snmach, Spindelbäumen und wilden Rosen, dazwischen aber blühen überall Salbei und Lilieu, blauer Flieder und einfache weiße Nelken. Das Volk glaubt, das Alles sei wild gewachsen, aber es sind noch die Blumen der Damen Gynlaffy!
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (4), Band 16
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (4)
Band
16
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.18 x 21.71 cm
Seiten
616
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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