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Sechs Kilometer oberhalb von Szent-Györgyvära, bei Csäny, beginnt die regel-
rechte Kanalisirung des Zala-Flüßchens und setzt sich etwa 21 Kilometer weit bis Hidveg
fort. Das Flußthal ist stellenweise selbst an den Kanalufern mit einem förmlichen Urwald
von Erlen bestanden, die bei Niederwasser mit ihrem struppigen Wurzelwerk über der
Bodenfläche stehen.
Weiter oben im mittleren Zalathal liegt Szent-Gröt (Gereschdorf) südlich von
Türje am Fuße der Csäsorder Höhe mit reichen Wiesen und Äckern, einst zwischen
üppigen Wäldern und Weingärten. Es besteht aus zwei verschmolzenen Gemeinden. Die
obere heißt Zala-Szent-Gröt, die untere, die dem Flusse fast zwei Kilometer weit
folgt, ist Szent-Gröt-Polgärväros. Sowohl die bauliche Absonderung, als auch die
beiden Namen haben in ferner Vergangenheit einen geschichtlichen Hintergrund. Unter
AndreasIII., dem letzten König aus Ärpäds Hause, besitzt Graf Philipp, Sohn des Thomas,
die Burg St. Gerhard und das Dorf St. Gerold nebst dem etwa zweieinhalb Kilometer
abliegenden Dorfe Udvarnok. Die heutige Unterscheidung bestand also schon vor
600 Jahren. Später verwandelten sich im Volksmunde beide Namen, St. Gerhard und
St. Ghyrolt in Szent-Gröt. Das XVI. Jahrhundert sieht hier die Familie Hagymässy auf-
tauchen, deren Vorname „Szent-Ghyrolti" ist. Im Jahre 1510 ist Szent-Gröt schon ihr
Besitz. Die Wichtigkeit der Szent-Gröter Burg beginnt mit der Niederlage bei Mohäes und
besonders dem Falle von Kanizsa. Sie hatte nun das Zalathal zu vertheidigen. Der Reichs-
tag von 1556 beordert sämmtliche Adelige des Zalaer Comitats, welche diesseits des Zala-
flusses wohnen und keine Burg besitzen, hieher, um bei der Befestigung Robot zu leisten.
Erenye ist eine Puszta östlich von Szent-Gröt bei A-Hid. Die Brüder Erenyi-
Herczeg gründen hier im Jahre 1339 ein Kloster für Paulaner-Eremiten. Das Kloster
ist längst dahin, Erenye gehört heute Privatbesitzern.
Unweit von hier gegen Norden liegt Türje. Es ist eine Doppelgemeinde, aus
Belsö- und Külsö-Türje (Inner- und Außer-Türje) aneinander gebaut und wegen seiner
Prämonstratenser-Propstei bemerkenswerth. Es liegt an der Sümeg-Egerszeger Straße
und der Egerszeger Eisenbahn, an den fruchtbaren Hängen eines breiten Thales des
mittleren Zala. Sein Ursprung reicht ins XIII. Jahrhundert zurück. Ein Vorfahr derer
von Szent-Ghyrolt, der Banus und slavonische Herzog Dionys stiftete diese Propstei zur
Zeit Belas IV. und sie besaß seit Mitte des XIII. Jahrhunderts die Gerechtsame eines
beglaubigten Ortes. Später wurde sie der Propstei von Esorna untergeordnet und bildete
sozusagen deren Filiale. Nach der Mohäcser Katastrophe hatte sie viel zu leiden und
wurde auch zu Anfang des XVII. Jahrhunderts durch die wilden Reiterfchaaren der Fürsten
Bocskay und Bethlen, namentlich unter Christof Hagymässys Führung, wiederholt verheert.
Mit Szent-Gröt kam es um 1630 an die gräfliche Familie Batthyäny, doch verzichtete
Ungarn IV. 16
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch