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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Band 16
Seite - 268 -
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^68 Ehe er die eingespannten Pferde oder Ochsen in Gang setzt, macht er vor ihnen auf der Eide zweimal ein Kreuz mit der Peitsche und sagt: „^e?us poma^' !" („Hilf Jesus!") Sein naives Glaubensleben ist jedoch nicht so reich an personifieirten Gestalten wie das seiuer westlichen Nachbarn. Die Gebilde seiner Volkspoesie sind anderwärts kaum bekannt. Ausfalleud ist die geringe Zahl der weltlichen Lieder, und selbst diese wenigen sind zum großen Theil von den steirischen Stammverwandten herübergelangt. Bei alledem haben diese Weuden auch ihre eigeue Dichtung. Der Hauptgegeustand ihrer Lieder ist die Liebe, mit der jedoch die Religion in gleichem Range steht. Während ihre westlichen Stammesgenossen auch die Naturschöuheiten ihrer Wohnplätze in den Stoffkreis ihres Dichtens einbeziehen, dient bei den ungarischen Wenden die Natur selten auch nur als Hintergrund, es wird vielmehr nur das verweudet, was auch der schlichteu Gegend poetischen Reiz verleiht, z. B. der Vogel, das Lieblingsthier der wendischen Poesie: kukoviea (Kuckuck), öuniea (Goldamsel) und Fowbiea (Tanbe). Auch eiu paar schöue Balladen uud Romanzen haben sie auszuweisen. Eines ihrer romanzenartigen Lieder sei hier als Muster angeführt. „Martin, mein Söhnchen, Sag', wo du gewesen!" „„O lieb süß Mütterchen, Auf der grünen Wiesen."" „Martin, mein Söhnchen, Was thatst auf der Wiesen?" ,,„O lieb süß Mütterchen, Hab' Fohlen ansgetrieben."" „Martin, mein Söhnchen, „Martin, mein Söhnchen, Was thaten die Mägdlein? ^ „,.O lieb süß Mütterchen, Sie pflückten schöne Röslein."" „Martin, mein Söhnchen, Wozu pflückten sie Röslein?" „,,O lieb süß Mütterchen, Sie wanden ein Kränzlein."" „Mein Sohn, was thun die Mägdlein Sag', was du dort gesehen." Mit dem Kranz von Rosen?" ,,„O lieb süß Mütterchen, Drei Mägdlein weiß sah ich stehen."" ,,„O lieb süß Mütterchen, Er liegt in Maria's Schooße."" „Martin, mein Söhnchen, Sag' was dir sie gethan." ,,„O lieb süß Mütterchen, Sie rührten das Herz mir an."" In großer Anzahl finden sich Todtenklagen, meist viele Strophen lang und mit wenigen Unterschieden nach einem Leisten gefertigt. Den in der Fremde gestorbenen Burschen, den in ferner Kaserne verstorbenen Soldaten, den veruuglückten Bekannten oder Laudsmauu lassen ihre ständigen Gesangdichter in solchen Gesängen (z>esem; pesem vä Xoäha ^osela-n. s. w.) von Eltern, Verwandten oder Gemeindegenossen Abschied nehmen. Wie in diesen Abschiedsliedern, so erklingt auch in allen anderen Erzeugnissen der
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (4), Band 16
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (4)
Band
16
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.18 x 21.71 cm
Seiten
616
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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