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und Puszteu des mittleren nnd höheren Adels; weiter oben liegt das starkbevölkerte
Nagy-Dorog, dessen Sand reich an Wein und Tabak ist; im Orte selbst befinden sich
zwei Schlösser, ein Szecheuyi'sches nnd die Volksschule der Gemeinde. Das ganze Gebiet
ist von römisch-katholischen und reformirten Magyaren bewohnt. Die Dorfbewohner sind
meist Resormirte, die Städter meist Katholiken; die wenigen Deutschen sind hier im
Allgemeinen römisch-katholisch.
Ein anderer Abschnitt des Comitats ist dessen westlicher Theil, der Bezirk von
Dombövär , westlich vom Kapos bis an Somogy hin, dessen hügelige Ebene durch den
dem Kapos zueilenden Koppäny in zwei Theile getheilt wird. Am Ufer des Baches,
zugleich in der Mitte des Bezirks, liegt der Bezirkssitz, das einst von Wildgehege
umgebene Tamäsi. Der ganze Bezirk ist herrliches, getreidereiches Gefilde, im Westen
begrenzt durch einspringende Zacken der Somogyer Wälder und dicht bestreut mit blühenden
Maierhösen, deren Schlösser, rothbedachte Grauarieu, Ställe, Getreideschober nnd rauchende
Maschinen die einst weitgedehnten Hutweiden und fetten Rodungen bedecken, ein neues
Leben, das sich aber in schattigen Hainen ausruhen kann. So ist es besonders im Süden,
wo man von der Dombövär-Kocsolaer Landstraße aus eine Fläche von 300 Quadrat-
kilometer überschaut, voll prächtiger Maierhöfe, die den Besitzungen des Fürsten Esterhazy
zugehöreu. Wiederum wogt hier das Meer des Alföld, eine Unabsehbarkeit von Halmen,
in den Fernen verschwimmend, und unter der Last der Getreidemaudelu scheinen im
Sommer die Hügel zu ächzen. An so manchem Sommerabend begegnet man auf der
Kocsolaer Straße einem fröhlichen Anfzng. Schnitter kehren vom Schnitt heim. Zwei
Zigennerbnrsche, wohl auch mehr, geigen ihnen vorauf und hinterdrein. Zwei Mädchen
tragen auf einer Stange das Ernte-Opfer. Das ist ein länglicher Korb, aus deu schönsten
Ähren geflochten, Ähren die Seiten, Ähren der Henkel, Ähren der ringsum prächtig
ausgebogene Ranft. Nur die iuuere Wand des Korbes ist schimmerndes, goldgelbes
Stroh. Völlig eine Wiege für das Jesukindlein, an das ja die Person gedacht hat, die
den Korb flocht. Zu Hause harrt schon die Herrschaft oder der herrschaftliche Beamte des
Schnitterzugs, er hat auch jene Zigeuner beigestellt. Vor dem Abendessen nimmt er das
Geschenk in Empfang, das ihm in der Regel der Führer des Schuitterznges mit einem
gereimten Sprüchlein überreicht.
Überschreiten wir bei Szäntö den Koppäny-Bach und die niedere Hügelkette, an
deren Fuße er dahin fließt, so finden wir auch im obere« Theile des Bezirks dieselben
Fruchtgefilde. Überall Maierhöfe, so daß es in dem ganzen 900 Qnadratkilometer großen
Bezirke insgesammt kaum 30 Gemeinden gibt, und auch diese liegen meist an den Rändern
des Bezirkes. Dombövär ist der Krenznngspunkt zweier Eisenbahnen; ans seiner Hain-
gegend erheben sich noch Trümmer einer Burg der Dombay, In Döbrököz haben nach
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch