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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Band 16
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301 öffentliche Bewußtsein eines Theiles der Nation übergingen, erwähnt Sonwgy, unter deutlicher Anspielung auf die eben erwähnte Wortableitung, folgendermaßen: „Kornelkirschen, Äpfcl, Birnen kannst hier essen, Doch an Wissen wird dir wenig zugemessen." Die erste Zeile ist wahr. Somogy war nämlich bereits die Heimat des Obstes zu einer Zeit, wo anderwärts gar nicht an Obstzucht gedacht wurde. Worauf beruht aber die zweite Zeile? Als Stesau Losonczi, der vortreffliche und bahnbrechende Schulmann, dieses Lehrbuch verfaßte und schier einem ganzen Jahrhundert als Erbtheil hinterließ, da gab es — und gab es noch drei Jahrzehnte lang nach ihm — in Somogy keine einzige Mittel- oder Lateinschule, obgleich doch die Reformirten, wo immer sie in größerer Anzahl wohnten, eine Menge kleinerer Lateinschulen besaßen. Der gleichfalls reformirte Verfasser fühlte sich also dadurch betrübt, daß seine zahlreichenSomogyerGlaubensgenossen, die von den übrigen Brüdern abgeschnitten und fern von den wissenschaftlichen Mittelpunkten lebten, ihren Kindern nur um den Preis von schweren Opfern eine höhere Ausbildung zuwenden konnten. Übrigens war auch die Lage der fast dreimal so zahlreichen Römisch-Katholischen — von den wenigen Evangelischen A. C. ganz zn schweigen — keineswegs günstiger, ja eigentlich noch ungünstiger. Denn, obgleich ein Drittel des Comitats sich in geistlichen Händen befand, gab es doch im ganzen Comitate nicht nur kein Bisthum, sondern seit der türkischen Vernichtungswirthschaft nicht einmal einen höheren geistlichen Orden der einigermaßen hätte Hof halten, Geschmack und Gewerbe fördern, an Culturzwecke denken und dafür Opfer bringen können. Es fehlte also der berufene und natürliche Erhalter der Mittelschulen, der höhere Clerns, und es fehlten die berufenen Leiter dieser Schulen, die Schulbrüderordcn. Die Franciscaner zu Andocs, Nagyatäd, Segesd und Szigetvär befaßte» sich nicht mit öffentlichem Unterricht; höchstens daß sie die herrschaft- lichen Höfe mit Erziehern und Hofkaplänen versahen. Doch es fand sich auch kein geeigneter Ort. Der hervorragendste war noch Szigetvär, auch dieser an der Grenze von Baranya gelegen und nur durch seine alte Festung und dereu Ruhm gehoben. Der Eomitatssitz Kaposvar selbst war eine Hörigen- gemeinde, als deren größte Sehenswürdigkeit, außer den wenigen herrschaftlichen Gebäuden, ein mächtiger Weißdornbusch galt, der am Helm des einzigen Thurmes Wurzel geschlagen hatte und mit diesem gleichalterig zu sein schien. Dann gab es Dörfer, Dörfer und wiederum Dörfer, etwa vierhundert an der Zahl, alle mit geringer Einwohnerzahl, alle im Schooß der Wälder nnd Thäler verborgen. Die im Schlamm erstickenden Bäche breiten sich weithin als Röhricht aus. Viel Dörfer nnd noch mehr Schlösser. In manchem Dorfe stehen an der Schaf- weide drei bis vier „Kastelle" und starren einander in die Augen. Dieser Adel bcdnrfte
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (4), Band 16
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (4)
Band
16
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.18 x 21.71 cm
Seiten
616
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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