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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Band 16
Seite - 302 -
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302 keiner Stadt, denn er bezog seine Luxusartikel von deu erwähnte» außerhalb gelegenen Märkten und führte auch sonst ein einfaches Leben; die größeren Herren aber wohnten in Wien oder über Wien hinaus. Das Bauernvolk machte sich, mit Ausnahme des „Szür" (Lodenmantels) und Hutes, alle seine Kleider selbst; die Classe der Gewerbetreibenden aber hatte, mit Ausnahme des angeseheneren Szürschneiders und Hutmachers, nichts zu thun, arbeitete also mit der Hacke in Weingarten und Maisfeld. Eine Kirche und Volksschule aber gibt es in jedem Dorfe; das Bauernkind macht seine sechs Classen durch. Allein dem guten Losonczi gilt das nicht als Wissenschaft. Diese beginnt bei ihm mit dem Cornelius Nepos. Und so kannte die Welt das Somogyer Comitat zu Anfang dieses Jahrhunderts blos dem Namen nach und aus einem unfreund- lichen Reimpaar. Wem wäre es eingefallen, der Erfahrung halber eine Reise durch ein Comitat ohne Städte zu machen, dessen gesammtes Interesse bei Szigetvar begann und auch endete? Und wenn es doch Einer durchstreifte, so kam er voll Voreingenommenheit und ging niit noch mehr Vorurtheilen von dannen; er hielt sich gleichsam für verpflichtet, seine Erfahrungen in möglichst pikanter Weise verbrämt und aufgebläht zu verbreiten und wunder was zu berichten von ungewohnter Volkstracht, ungewohntem Dialect und ungewohnten Waldungen. Denn Wald in Wald war da Alles, tiefschattige Buchen- bestände und finstere Eichen wechselten mit schauerlichen Birkendickichten. So zeigt sich die Gegend unten längs der Dran von Zäkany bis Szigetvar und im Osten das ganze Zselicz und noch weiter oben gegen Csoknya, Meßtegnye und Karäd hin der ganze Strich bis zum Plattensee hinauf. Zur Zeit der Belas waren diese Waldungen das Reich der königlichen Herden, geradeheraus gesagt: der Schweiueherden. In den an die Dran stoßenden Wäldern von Udvarhely, unterhalb von Berzeneze, hausten die königlichen Schweinehirten, ja der Name des Dorfes (— Hofstatt) läßt sogar schließen, daß die Belas selber hier häufig ihre Zelte aufschlagen ließen; wenigstens ist dies durch eine Urkunde Bela's lll. von 1193 bewiesen. Das ist alles königlicher Familienbesitz, l'erra subuleorum re^ivrum. Die königlichen Schweinehirten dienten dem landflüchtigen Bela IV. sogar als Geleit von Segesd bis Dalmatien. Und in der That war dieses Waldland wie geschaffen für königliche Schweinehirten; auch lebten deren Nachkommen, ohne freilich viel von den alten Überlieferungen zn wissen, nicht viel anders, als königliche Sauhirten gelebt hätten, und machten sich selber ihre Privilegien, die sie in den Wäldern von Agarev, Szenta, Zsitva und Atad aufrecht erhielten. Fortgesetztes Nichtsthun oder Sehrweuigthuu zwang ihre Urkrast, sich die Langweile durch Raufen, Beilwurf, Kletter- nud Schlupfkünste, verwegene Anschläge und Gewaltthaten,
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (4), Band 16
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (4)
Band
16
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.18 x 21.71 cm
Seiten
616
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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