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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Band 16
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3l0 als die Sprache, obwohl auch diese eine gewisse Ursprünglichkeit hat, etwas eigenthümlich Melodisches, besonders wenn das Wort von schöner Lippe kommt. Den eigentlichen Somogyer Typus finden wir im südlichen Theile des Comitats, im sogenannten inneren Somogy, denn oben im äußeren Somogy ist nicht nur der Dialeet ein anderer, sondern auch die physische Beschaffenheit; die Leute sind da vierschrötiger, knochiger, breitschultriger, muskelhafter, aber auch ruhiger und mehr zur Bequemlichkeit geneigt. Die Gesichtsfarbe scheint ins Blonde umzuschlagen, während gegen die Drau hin das Brünette vorherrscht. Im Norden sind die Leute mehr für Seide uud Tuch ein- genommen, die Frauen lieben das Bunte, Farbige, Rothe; im Süden sind sie einfacher und die Grundfarbe der Kleidung bildet das selbstgesponnene und gewebte Weiß, wie denn sogar die Trauer weiß ist und sich bei dem Mannsvolke in der weißen Halsbinde äußert. Man könnte fragen, wie es gekommen, daß die hundertfünfzigjährige Türkenherr- schaft den Znsammenhang des Comitatskörpers nicht zerrissen hat, da doch Somogy die Grenze zwischen Osten uud Westen war, voll Warten und Burgen, immerdar Tummelplatz größerer und kleinerer Operationen, Kriegslisten und Hinterhalte, die nirgend so häufig, so raffiuirt, mannigfaltig und grausam waren wie hier. Es wurde als Pforte von Kroatien, Steiermark und Österreich von beiden Parteien vertheidigt und belagert, befestigt und gestürmt. Jedenfalls mußte die Gegeud mit ihren Jahr um Jahr aus einer Hand in die andere gerathenden Burgeu veröden. Das Landvolk, obwohl von beiden Seiten im eigenen Interesse geschont, ward gelichtet, der Adel zog in ruhigere Gegenden oder nach den Grenzfesten, um sie zu vertheidigen. Wie hat nur Somogy nach solcher Verheerung sich wieder zu bevölkern vermocht und wie ist es zu einem der magyarischesten Comitate geworden? Ein Blick auf seine Wälder erklärt Vieles. Auf fremde Colonisten war man auch hier angewiesen uud so kamen Deutsche und Slovaken zahlreich herbei, allein wegen der Wälder doch nicht in so großen Massen und auch nicht auf so zusammenhängenden Gebieten wie in anderen Comitaten. Da sie nun eben deshalb sich nicht auf einander stützen konnten, vermochten sie auch Sprache und Sitten nicht, wie sie sie mitgebracht, zu erhalten; so sind sie in der Obhut ihrer magyarischen Gutsherrn und deren Herrschaftsbeamten, sowie besonders auch ihrer in Veßprem ausgebildeten Seelenhirten im Laufe von zwei Jahrhunderten so kernige Magyaren geworden, daß sie hierin der urwüchsigen Bevölkerung der kalvinischen Drau- dörfer nichts nachgeben. Diese wie Jene sind auch darin Magyaren, daß sie einzig den Grund und Boden für sicheres Capital halten und bei etwaiger Theilung sich ihr Theilchen, und wäre es uoch so winzig, herausnehmen, um dann hinzuzukaufen, wenn es möglich wird. Können sie nicht kaufen, so gehen sie in die kroatisch-slavonischen Comitate, wo sie um billiges Geld ein großes Stück Land kriegen; dort bilden sie Colonien uud legen auch
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (4), Band 16
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (4)
Band
16
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.18 x 21.71 cm
Seiten
616
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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