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Siege vorwärtsstürmte, erneuerten die tausend Geharnischten des Königs den Kampf
und von diesem Augenblick an wurde der König mit keinem Auge mehr gesehen. Ob
die Natur diesen Hügel gebildet, ob Menschenhand ihn geschichtet, man weiß es nicht.
Doch hatten an jenem Tage auch die Türken keine Zeit, Hügel aufzuschütten, sowie
die ungarische Geschichtschreibung bisher keine Zeit gefunden hat, das Feld von Mohärs
zu durchforschen.
Von den drei Gipfeln aus überblickt mau ganz Baranya, dessen Fläche wir dem-
gemäß in drei Gebiete theilen. Jedes Gebiet hat seine eigene Mutterstadt, die es durch
Lage, Bevölkerung und Stattlichkeit beherrscht: Fünfkirchen, Siklös, Mohacs.
Fünfkirchen, Hegyhät und Mecsekalja. — An der Südfront der Meesekkette
liegt ungefähr in der Mitte, zu Füßen des Jakobsberges:
Fünfkirchen (?ees). Es ist die leitende Stadt Baranya's, kämpft aber auch mit
jeder anderen Stadt im Lande, die Hauptstadt ausgenommen, um den Vorrang. Und mit
vollem Recht. Über Bevölkerung, Reichthum, Haudel und Gewerbe dieser Stadt, über ihre
schönen Gebäude, die vielen und reichen Kirchen, deren große Kunstschätze, die Bibliotheken
und wissenschaftlichen Anstalten, die Gesellschaft, die Gelehrten und Künstler, die alten
Denkmäler, sowie über die abwechslungsreiche Geschichte und herrliche Lage Fünskirchens
in einem kurzen Aufsatz erschöpfend zu berichten, ist in der That eine schwere Aufgabe.
Die Stadt liegt am südlichen AbHange des Mecsek terrassenweise hingelagert und
wiederstrahlt den vollen Glanz der Südsonne. Von welcher Seite man auch nahe, der
Anblick ist überraschend und jeder Schritt steigert den Reiz, obgleich schon der erste Blick
die Stadt nmfaßt hat. Es bedarf eben der Zeit, um die Einzelheiten besonders zu fassen,
die Mannigfaltigkeit der alten uud neuen Thürme, die auf den Höhen blinkenden Kapellen
und in den Einbuchtungen der Bergabhänge schimmernden Landhäuser zu unterscheiden.
Die Bevölkerung hat sich in 50 Jahren verdreifacht uud zählt bereits 36.000 Seelen;
die große Mehrheit sind römisch-katholische Magyaren, die Minderheit Deutsche und
Schokazen, nach localer Benennung „Bosniaken", deren Namen häufig auf türkische«
Ursprung deuten. Vier Landstraßen und vier Eisenbahnlinien lansen hier zusammen,
Handel und Gewerbe verfügen also weithin über Verbindungen und Märkte, und in der
That können sich manche Prodnete und Fabrikate der Konkurrenzfähigkeit in ganz Ungarn,
ja in ganz Europa rühmen. Der älteste, sozusagen ans der Urzeit stammende Handelsartikel
ist das Geschenk des Mecsek, dessen Südabhang seit Jahrhunderten, seitdem die Römer
diese Hügel mit Reben bepflanzt, die Schleusen seines Weines offen hält. Die Neuzeit
jedoch hat auch die Tiefen des Berges dnrchwühlt und schier unerschöpfliche Kohlenlager
eröffnet. Ansehnliche Ortschaften, wie Szabolcs, Vafas, Somogy und die schönste
und volkreichste, Kolon ia, in deren tadellos eingerichteten Volksbildnngsanstalten
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch