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Künste aufgeschwungen. Heute blüht sie als herrschende Kunst in der Fabrik Zsolnay,
deren Zierstücke auf den Landes- und Weltausstellungen zu den blendendsten gehören,
in den westlichen und in den überseeischen Culturläuderu die Pracht der reichen und
vornehmen Häuser steigern, im Vaterlande aber auch zu den Monumentalbauten der ersten
Baukünstler das Ornament geliefert haben. Aber auch in der Herstellung sämmtlicher, dem
Alltagsgebrauche dienenden Thonwaren hat diese Fabrik der Concurrenz des Auslandes
einen Riegel vorgeschoben, und ihre Porzellanerzeugnisse decken den vollen Bedarf des
Landes. Aus einer gewöhnlichen Ziegelei hat Wilhelm Zsolnay diese Fabrik hervorgehen
lassen und zu ihrer heutigen Blüte erhoben, sie ist mit den vollkommensten Maschinen
neuester Constrnction versehen, umfaßt sämmtliche Zweige der Keramik uud steht sowohl
technisch, als künstlerisch auf der höchsten Stuse der Leistungsfähigkeit. Besonderes Glück
hat sie in der Verwendung ungarischer Motive, die sie mit vielem Fleiß und Studium
festgestellt und zu einem neue», charakteristischen Stile entwickelt hat. Sie bietet tausend
Arbeitern ständige Beschäftigung und erhält eine Gewerbeschule, in der zahlreiche Zöglinge
ausgebildet werden. Die Fabrik Zsolnay, am Ende der Osner Vorstadt, ist die schönste
Schauseite, das glänzendste Schaufenster der schönen Stadt. Auf der ersten Seite ihres
Fremdenbuches steht der Name Franz Joseph l. Seine Majestät hat sie zweimal besucht.
In der inneren Stadt, sowie in den drei Vorstädten — Szigeter, Sikloser und
Osuer Vorstadt — wimmelt es vou Kaufladen jeder Art, von Maschinenschlossereien,
Holzsägen, Möbel- und anderen Fabriken, die ihren Absatz im ganzen Lande haben. Wir
können sie hier nicht aufzählen, wohl aber die Unternehmungen, die selbst im Auslande
der dortigen Concurrenz trotzen. Die Angster'schen Orgeln erklingen in zahllosen
Gotteshäusern, von der bescheidenen Thalkapelle bis zur imposanten Kathedrale; die
Schlösser aus der Kiudl'schen Schlosserei finden überall Bewunderer; an der Spitze der
Lederwarenfabrikation betreibt die Lederfabrik der Brüder Höfler einen Welthandel; die
Engel'fche Holzsäge- und Parquelteusabrik gibt hundert Menschen Brod; die Littke'sche
Champagnerfabrik hat sich mitten in der Stadt unterirdische Keller von sünsreihiger Höhe
ausgehöhlt. Neben Reihen palastartiger Häuser erheben sich in großer Zahl ausgedehnte
öffentliche Gebäude, die Gerichts- und Verwaltungssitze, und über allen, ja über der
ganzen Stadt thront auf seinem Berge das große Comitatshaus. Dazu kvmmeu «och die
Kasernen, das neue Theater, eines der schönsten im Lande, die Institute für Unterricht,
Wissenschaft und Wohlthätigkeit, alles iu einer Vollkommenheit, welche in keiner Stadt
des Landes übertroffen ist. Es sind ebensoviel« Burgen, die das letzte halbe Jahrhundert
der öffentlichen Ordnung, dem Rechte, der Wohlthätigkeit und Cultur errichtet hat.
Iu noch imposanteren Denkmälern bekundet sich die schassende Kraft der römisch-
katholischen Kirche. Die im Laufe der Jahrhunderte erbauten, oft niedergerissenen und wieder
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch