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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Band 16
Seite - 343 -
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343 dankt sie König Stefan dem Heiligen, den adeligen Rang aber, nach einer interessanten Sage, dem König Sigismnnd und zwei verschmitzten Frauchen, deren muthige Treue das Schicksal des Königs zum Guten gewendet habe. Als nämlich Sigismnnd durch die Reichsstände festgehalten, unter der Hut der Garai nach Siklös gebracht wurde, wußten diese beiden Szentkirälyer Frauen, Katharina und Eva, ihn unter Töpferware verborgen ans der Festung hinanszuschmnggeln. Der König erhob sie dafür in den Adelstand und schenkte ihnen Szabadßentkiräly, ihre Nachkommen waren zahlreich und erfüllten die ganze Gemeinde, unter deren Bewohnerinnen noch jetzt die Taufnamen Katharina und Eva häufig vorkommen. Es ist ein schönes Volk, selbst für Baranya, das eine schöne Bevölkerung besitzt; und auch seine Sprache ist die reinste. Unterhalb folgt Görcsöny, von der Landstraße durchschnitten, die zugleich durch einen mittelalterlichen Friedhof gelegt ist; an den hohen Böschungen der Straße unterscheidet man eine ganze Schichte weißer Meuschenknochen. Oberhalb liegt in schönem Thale die volkreiche Gemeinde Pelerd, einst Besitzthnm des von Somogy her bekannten Ladislans Czindery und damals Schauplatz einer erfolgreich betriebenen herrschaftlichen Verfuchswirthfchaft. Noch denkwürdiger ist der Ort in der Geschichte der ungarischen Seidenzucht, obgleich deren Schule das Tolnaer Comitat ist; in Pelerd hat vor 200 Jahren Johann Passardi die Seidenzucht begonnen und die erste Seidenspinnerei errichtet. Folgen wir der weißen Landstraße, die von Fünfkirchen weiter dem Fuß des Mecsek entlang zieht, so wölben sich schon lauter Weinlauben über uns. Die ganze Flanke des Gebirges ist seit uralter Zeit mit Reben bepflanzt, deren Hälfte und mehr allerdings jetzt verwüstet ist. Und trotzdem bringt noch immer Baranya den meisten Wein hervor. Was muß es gewesen sein, ehe die Geißel es traf! Am westlichen Ende der Gebirgssront steht, demZengö zu Füßen, an herrlich in die Weite schimmerndem Punkte, Pöesvärad, die Zwillingsschwester Fünskirchens, kleiner und ärmer zwar, aber aus der Ferne gesehen noch glänzender als seine königliche Schwester. Von der Höhe herab blicken seine zwei weißen Kirchen, noch höher breiten sich Rebengelände und waldige Steilhänge, thalwärts ragen, von einem Festungswall umzogen, die Gebäude der Universitätsdomaiue empor. Seine einstige Benedietinerabtei, in der vor alters die erste medicinische Lehranstalt des Landes blühte, war durch Stefan den Heiligen gegründet und mit Gütern, Einkünften und einem dienstthuenden Personal ausgestattet, dessen Anzahl und Beschäftigungsarten kein übles Licht auf den damaligen Culturzustand des Landes warfen; es befanden sich nämlich unter ihnen 110 Weinbauer, 6 Gerber, 12 Drechsler, 10 Köche, 5 Gold- arbeiter u. f. f. Außer der reichen Ausstattung der Kirche werden unter den Geschenken des heiligen Königs auch 35 Bücher erwähut. Seine Sorgfalt lohnte sich. Hundert Jahre später fand dort Bela der Blinde heimliche Zuflucht, dieses unglückliche und schuldlose
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (4), Band 16
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (4)
Band
16
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.18 x 21.71 cm
Seiten
616
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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