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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Band 16
Seite - 345 -
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getragen wird. An der Spitze dieser Gemeinden steht seit uralter Zeit Nagy-Harsäny, ein am Fuße des gleichnamigen hohen Berges lang hingelagerter hübscher Marktflecken mit alter Kirche und 1200 Einwohnern. Dem Äußeren nach hält man ihn für viel volkreicher, denn man ist getäuscht durch die über dem Städtchen schimmernde Reihe häuserähnlicher Keller; und es gibt überhaupt viel mehr Keller als Häuser, denn noch drei andere Dörfer haben ihre Weingärten und Kellereien hier liegen. Die Krone dieser Hegyalja-Gemeinden, aber auch des Ormäusäg, nnd zugleich Verkehrsmittelpunkt der ganzen Drangegend ist Siklos. Fast an der Wurzel des Gebirges gelegen, hebt es sich doch über das Flachland empor, ein volkreicher und sehr hübscher Bienenkorb, dessen Leben und Treiben von Jahr zu Jahr wächst, in Handel und Wandel gedeihend, voll Wettstreit und Ersolg. Die stockhohen Hänser der Hauptstraße haben uuteu lange Ladenreihen mit Vordächern, die Laden sind voll Menschen, die weiten Höfe der großen und kleineu Gasthäuser voll mit Landfuhrwerken, denn zweimal die Woche strömt hier Kauf uud Verkauf aus hundert Ortschaften zusammen und überdies all die „Leiden" (wie sie der Baranyaer nennt), deren Arzt der Doctor Juris, deren Recept der Wechsel und deren Apotheke die Sparkasse ist. Mitten in der Stadt steht eine türkische Moschee, noch in aller islamitischen Echtheit, und über der Stadt ragt auf felsiger Höhe Burg Siklos, das alte Nest der Garai, Pereuyi, Batthyäny, Zeuge und Denkmal jener ritterlichen Abenteuer, deren Helden längs der Dran von Kanizsa bis Esseg die Zrinyi waren. Erdgeschoß und erstes Stockwerk der Burg mit der zierlichen romanischen Kapelle sind mittelalterlicher Bau, desgleichen der einst hoch aufschießende, dann aber nach häufigen Blitzschlägen als baufällig abgetragene Thurm; über den Thürstürzen nnd an den Sänken der Kapelle ist hie und da ein unbekanntes Wappen zu sehen: ein Menschenkopf, aus dem drei im Knie gebeugte menschliche Füße speichenartig herauswachsen. (Das römische triciuetrum, unter Anderem noch jetzt das Wappen von Sizilien.) Das zweite Stockwerk des großen Burgvierecks ist neueren Ursprungs; der Nord- und Südseite entlang laufen geräumige Erker. Es ist schwer zu unterscheiden, welcher Anblick schöner ist, von diesem Erker hinab auf die Gegend oder von irgend einem Punkte der Umgebungen hinauf nach der Burg, dem einstigen Gefängniß König Sigismnnds. Im Burghofe befindet sich ein tiefer Brunnen, der noch vor kurzem mit einer Tretmühle versehen war; sein Wasser steht mit der unterhalb der Burg aufquellenden Therme in Verbindung. Die unter- irdischen Räumlichkeiten der Burg sind schauerliche, finstere Kerkerzellen mit dreifachen Eisenthüren und klafterdicken Mauern, deren enge Luken man wiederum mit dreifachen Eisengittern verwahrt sieht. Die spitzbogig gewölbte Zelle an der nordöstlichen Ecke war einst mit Marmorquadern ausgelegt und mit Wandgemälden geschmückt, deren Spnren noch kenntlich sind. Die ganze Burg ist mit alten Wällen und starken Basteien
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (4), Band 16
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (4)
Band
16
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.18 x 21.71 cm
Seiten
616
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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