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getragen wird. An der Spitze dieser Gemeinden steht seit uralter Zeit Nagy-Harsäny,
ein am Fuße des gleichnamigen hohen Berges lang hingelagerter hübscher Marktflecken
mit alter Kirche und 1200 Einwohnern. Dem Äußeren nach hält man ihn für viel
volkreicher, denn man ist getäuscht durch die über dem Städtchen schimmernde Reihe
häuserähnlicher Keller; und es gibt überhaupt viel mehr Keller als Häuser, denn noch
drei andere Dörfer haben ihre Weingärten und Kellereien hier liegen.
Die Krone dieser Hegyalja-Gemeinden, aber auch des Ormäusäg, nnd zugleich
Verkehrsmittelpunkt der ganzen Drangegend ist Siklos. Fast an der Wurzel des Gebirges
gelegen, hebt es sich doch über das Flachland empor, ein volkreicher und sehr hübscher
Bienenkorb, dessen Leben und Treiben von Jahr zu Jahr wächst, in Handel und Wandel
gedeihend, voll Wettstreit und Ersolg. Die stockhohen Hänser der Hauptstraße haben uuteu
lange Ladenreihen mit Vordächern, die Laden sind voll Menschen, die weiten Höfe der
großen und kleineu Gasthäuser voll mit Landfuhrwerken, denn zweimal die Woche strömt
hier Kauf uud Verkauf aus hundert Ortschaften zusammen und überdies all die „Leiden"
(wie sie der Baranyaer nennt), deren Arzt der Doctor Juris, deren Recept der Wechsel
und deren Apotheke die Sparkasse ist. Mitten in der Stadt steht eine türkische Moschee,
noch in aller islamitischen Echtheit, und über der Stadt ragt auf felsiger Höhe Burg Siklos,
das alte Nest der Garai, Pereuyi, Batthyäny, Zeuge und Denkmal jener ritterlichen
Abenteuer, deren Helden längs der Dran von Kanizsa bis Esseg die Zrinyi waren.
Erdgeschoß und erstes Stockwerk der Burg mit der zierlichen romanischen Kapelle sind
mittelalterlicher Bau, desgleichen der einst hoch aufschießende, dann aber nach häufigen
Blitzschlägen als baufällig abgetragene Thurm; über den Thürstürzen nnd an den Sänken
der Kapelle ist hie und da ein unbekanntes Wappen zu sehen: ein Menschenkopf, aus dem
drei im Knie gebeugte menschliche Füße speichenartig herauswachsen. (Das römische
triciuetrum, unter Anderem noch jetzt das Wappen von Sizilien.) Das zweite Stockwerk
des großen Burgvierecks ist neueren Ursprungs; der Nord- und Südseite entlang laufen
geräumige Erker. Es ist schwer zu unterscheiden, welcher Anblick schöner ist, von diesem
Erker hinab auf die Gegend oder von irgend einem Punkte der Umgebungen hinauf nach
der Burg, dem einstigen Gefängniß König Sigismnnds. Im Burghofe befindet sich ein
tiefer Brunnen, der noch vor kurzem mit einer Tretmühle versehen war; sein Wasser
steht mit der unterhalb der Burg aufquellenden Therme in Verbindung. Die unter-
irdischen Räumlichkeiten der Burg sind schauerliche, finstere Kerkerzellen mit dreifachen
Eisenthüren und klafterdicken Mauern, deren enge Luken man wiederum mit dreifachen
Eisengittern verwahrt sieht. Die spitzbogig gewölbte Zelle an der nordöstlichen Ecke
war einst mit Marmorquadern ausgelegt und mit Wandgemälden geschmückt, deren
Spnren noch kenntlich sind. Die ganze Burg ist mit alten Wällen und starken Basteien
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch