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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Band 16
Seite - 348 -
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348 liederreichste Zweig des magyarischen Stammes. Wein wächst im ganzen Ormänsäg keiner, Wirthshäuser gibt es wenige und auch die sind den Burschen und Dirueu unbekannt, wohl aber kennen sie den Spielplatz am Dorfende, wo Bälle fliegen und Lieder klingen. Und obwohl es unleugbar selbst aus großer Ferne nach Fünfkirchen und Siklös auf die Wochenmärkte geht und Mancher anch sein obenerwähntes juristisches „Leiden" mitführt, so kennt doch das Ormänsäger Volk auch jetzt nur eine einzige Schule, die blankgeweißte Kirche, deren Thurm seine blitzende Blechhaube mitten im Dorf emporhebt; und die Dörfer liegen hier so dicht beisammen, daß man ein Dutzend Thürme zugleich erblickt. Jedes Dörfchen hat also seine Kirche, deren tadelloses Weiß anch den Mauern der Häuser nicht schaden könnte. Der Landmann im Ormänsäg will aber sein Haus dem Hause Gottes nicht gleich machen. Nur für dieses opfert er viel, ja Alles. Nebeu der Kirche steht einerseits das Pfarrhaus, meist schmuck und geräumig, denn er will es so; andererseits steht das Schulhaus mit der Lehrerwohnung, schmuck und geräumig auch dieses, denn das Comitat will es so. Hätte er aber zu wählen, welches stehen bleiben und welches zu Grunde gehen solle, so ließe er ohne Zögern die Schule eingehen, denn auch ohne Schule bleibt die Ortschaft Ortschaft, ohne Kirche aber ist die Bevölkerung nur ein haltloses Pack. Was aber die Schule anbelangt, heißt es: in unserer Jugendzeit gab es noch keine Schule und seht, es kann doch Jeder ganz schön lesen, schreiben, ja selbst singen. Und dies letztere gilt als der höhere Grad von Bildung. Als einst der Stuhlrichter den Richteramtscandidaten fragte, ob er lesen nnd schreiben könne, antwortete dieser: „Lesen und schreiben kann ich nicht, aber singen". Erstaunlich ist die Anhänglichkeit der Leute an die localen kirchlichen Einrichtungen, die sie in Ermangelung jedes Fonds durch Selbstbesteuerung erhalten; jede Familie steuert dazu jährlich an Weizen, Wein, Holz. Heu, Mais, Schinken n. s. w. 10, 30, bis 50 Gulden bei, und das heißt „lukma". Ein großer Bau macht ihnen nicht viel Kopfweh; gar rasch ist es erwiesen, daß die Dachsparren morsch sind oder die Mauern sich gesenkt haben, und sofort ist der Plan fertig, eine neue Kirche zu bauen. In der Gemeindekasse liegt kein Heller, sie selber haben auch kein Geld, so übernehmen sie denn Jahr um Jahr kirchliche Robot. Auch darin sind sie den Somogyern verwandt. Bald ernten sie eine Tafel herrschaftlichen Ackers ab, bald hauen sie einen ganzen Wald aus und verfrachten ihn nach der Stadt, bald beschottern sie ein Stück Landstraße, und von solcher Robot nimmt sich nicht einmal der Halbtodte, ja selbst der verkommene Dorslnmp nicht ans, und das so gesammelte Geld wird auf die Bauten verwendet. Wenn sie für eigene Rechnung arbeiten, bringen sie sich nicht um; ihre Arbeit gilt als halber Feiertag und die Weiber gehe» auch rein gekleidet daran; die von Dorfes wegen über- nommene Arbeit aber wird gewissenhast und eifrig geleistet nnd ist znm Termin fertig. Daß sie nicht.für sich ernten, ist ihnen gleich. Sie rühren die Hände, als schichteten sie
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (4), Band 16
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (4)
Band
16
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.18 x 21.71 cm
Seiten
616
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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