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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Band 16
Seite - 350 -
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350 schon die Ziegel für die schöne Kirche, die in ihrer Phantasie längst fertig steht. Und endlich steht die Kirche vollendet und auf ihren fast vier Klafter hohen Mauern ruht die blau geblümte Holzdecke, deren Quadrate von geschickter Tischlerhand mit Motiven aus dem Baueruleben (Sichel und Pflug, blautraubige Reben, große Weizengarben n. f. w.) geschmückt sind. Und da wirft der Ormänsäger Bauer in seinem Busen die Frage auf: Welche Kirche ist denn nun schöner, die des Fünfkirchner Bischofs oder die heilige Ecclesia von Czuu? Und der Cnrator von Cznn erwidert daraus: „Die unsere; die Fünf- kirchner Tischler könnten solche schöne, schwere gebundene Garben gar nicht malen." Prunkende Friedhöfe gibt es hier noch nicht. Während auf dem felsigen Boden der Hegyalja sich die Gottesacker immer mehr mit eingehauenen Felsengräbern, steinernen Grüften und umgitterten Marmordenkmälern füllen, werden im Ormänsäg noch immer harthölzerne Säulen mit eingeschnittenen Tulpenkränzen nnd aufgeschriebenen Zeilen der Pietät errichtet. Besonders lieben Todten nagelt man an das Grabholz ein blaues Seiden- tüchlein, das anfangs häufig, später freilich seltener erneuert wird, bis es endlich als fahles Fähnlein zerschlissen im Winde flattert. Nur die Minze grünt weiter auf den Gräbern. Diese Dörfchen sind zumeist uralt und haben eine Urbevölkerung, dagegen keinerlei geschichtliches Denkmal oder locales Interesse. Die erste Gemeinde im Ormänsäg, Diäs-Vißlö, treffen wir noch innerhalb des Gebirges, an dessen Fuße, jenseits des Berges aber folgt Szava; der Überlieferung nach sollen ihre Einwohner dieNachkommen jener 25 Zeltvoll Zigeuner sein, die der Fünfkirchner Bischof Sigismnnd auf König Wladislans' Geheiß in seinem Sprengel aufnahm und die hier Kriegsgeräth fertigten. In der That finden sich daselbst viel dunkelbraune, musikkundige Leute. Die volkreichsten Ortschaften des Ormänsäg sind: Kis Csäny-Oßro, dessen Kirche in einem hübschen Parke steht, rechts davon der kleine Flecken Baißlo und links das aus Somogy hieher gerathene Sölye. Hinter den dreien liegen die ausgedehnten Jagdgehege der Grafen Draskovics, und diesem Forste schließen sich andere an, die dann mit den Somogyer Wäldern verschmelzen. In die Wälder sind Auen eingesprengt, aus deueu die Dörfchen hervorschimmern. Am Außenrande des Ormänsäg, schon fast im offenen Lande, liegt Kisasszonyfa, Geburtsort des Geschichtschreibers Jstvänffy. Baranyavär-Batinaer Gebirge (Alsö-Baranya). — Das Batinaer Gebirge ist nach Formation und Lage die kleinere, steinlose Ausgabe der Siklöser Bergkette. Sie geht östlich ohne Verzweigungen znr Donau, und zwar mitten durch die große Ebene, die bei Szekcsö, ja Peesvärad beginnt, zwischen der Karasicza und Donau bis zur Drau reicht uud in ihrem schlammig-lehmigen Humus den üppigsten Boden des fruchtbaren Baranya besitzt. Während die oben geschilderten Gegenden des Comitats meist von Magyaren bewohnt sind, treffen wir hier drei Volksstämme. Die Mehrzahl sind Deutsche,
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (4), Band 16
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (4)
Band
16
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.18 x 21.71 cm
Seiten
616
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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