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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Band 16
Seite - 354 -
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354 zwei weitere Vorzüge der schönen Serbinnen. . . Und dazu dann das Also-Baranyaer Magyarenvolk in Atila und Dolmäny, das Weibsvolk in Seide, Alles großäugig und schlank gewachsen, das Antlitz weiß, das Haar schwarz, ganz wie der Chronist die ersten magyarischen Heerführer beschreibt. Unter Gesang und Getümmel wimmelt das Volk vom Marktplatz überallhin; nur eine Straße ist still. Gegen Baranyavär hin hört man blos das Gerassel der rasch kreisenden Räder. Dieser Weg führt durch den Friedhof, auf der Pußta Sätoristye, diesem wundersam stummen Gefilde, dessen gesegnete Scholle unter der vollkommensten europäischen Cultur steht, so daß ihre Äcker mehr wie Blumenbeete aussehen und das dennoch selbst an den belebtesten Arbeitstagen schweigsam daliegt, wie eine Pußta im Alsöld am Feiertagsmorgen. Hier am „schwarzen Thor" (?ekete kapu) hebt sich der Grenzhügel, der „Türkenhügel" (l'ürük kalvm). Hier werden selbst die lustigsten Marktleute plötzlich still und ihr Blick schweift im Abendstrahl, der noch jetzt wie eine Feuersbrunst leuchtet, über die Ebene hin. Oben steht das weiße Lancsnk, gleichsam bleich und versteinert vor Entsetzen, links dunkelt in Trauer der Thurm vou Nyäräd, rechts verbirgt sich Kölked hinter Bäumen, es hat die Ereignisse aus aller- nächster Nähe gesehen. In weiter Ferne ragt der Baranyaer Berg (karanj'a, kexz'e) bei Harsäny; bis dahin hat sich, wie der türkische Geschichtsschreiber sagt, die Schlacht erstreckt. Unfern dehnt sich die Grasniederung von Vislak, deren Wasser sich eines Tages in Blut verwandelte: am Abende des Tages St. Johann Enthauptung im Jahre 1526. Hier beginnt die Bellyeer Herrschaft des Erzherzogs Albrecht, die iu dem länglichen Dreieck Mohäcs-Villäny-Bellye, von der Mohacs-Esseger Landstraße und der Villäuy-Esseger Bahnlinie durchschnitten, von letzterer auch begrenzt, in 33 Steuer- gemeinden 11 Quadratmeilen au Erbbesitz umfaßt. Die Domäne ist in 12 Ökonomie- nnd sieben Forstbezirke getheilt, ihr Mittelpunkt ist Föherczeglak (Erzherzogsheim) in der Nähe der Eisenbahnstation von Baranyavär-Monostor. Die Domäne steht in innerem Zusammenhange mit der Ungarisch-Alteuburger Herrschaft und verwendet beträchtliche Summen auf neue Investitionen, Kanalbauten, Schutzdämme, Maschinenwerkstätten, Versuche und die Einbürgerung zahlreicher, in dieser Gegend, ja im ganzen Lande unbekannter Produktionszweige. Ihr Boden wird mit dem Dampfpflug gepflügt, ihre Wälder werden durch fachkundige Hände gesäubert, in ihren Stallungen liefern 1000 Milchkühe (Allgäner, Ostfriesländer und Shorthorn-Race) an die zwei Millionen Liter Milch für den Verkauf und für Käsebereitung. Etwa 100 Joch sind mit Hopsen für die Ausfuhr bepflanzt. Das gibt zu Sommerseude eine reiche Ernte, nnd da das Hopfenbrocken eine langsame und doch eilige Arbeit ist, müssen zwei bis drei Wochen hindurch 400 Menschen dabei thätig sein, und das macht hier an die 5000 Tag- löhne aus.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (4), Band 16
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (4)
Band
16
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.18 x 21.71 cm
Seiten
616
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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