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Die Eisenburger Magyaren sind an ihrem Dialect leicht zn erkennen. Die Leute des
Hegyhät (Bergrücken), der das Gebiet des Bezirkes von Eisenburg bildet, haben viel
Gemeinsames mit denen des benachbarten Göcsej, und weil Manche die Göcsejer für
Palöczen halten, soll dies auch von den Hegyhatern gelten. Aber auch anderwärts ist
die Sprache des gewöhnlichen Volkes eigenthümlich, namentlich in Steinamanger und
Umgebung.
Wie anderswo, so hat auch hier das Volk seine hundertjährigen Gebräuche, uud
diese finden sich fast überall im Comitat. Am 1. Mai stellt, besonders in den deutsche»
Gegenden, der verliebte Bursche einen „Maibaum" vor das Fenster seines Liebchens.
In und um Steinamanger versammeln sich am Abend vor St. Johannistag Bnrsche und
Lehrjuugeu am Stadt- oder Dorseude und zünden Birkenbesen an. Den brennenden Bnnd
schwenken sie umher und werfen ihn in die Luft, so hoch sie können. Das sind die Johannis-
fener. Die gute Hauswirthin trachtet sich einen solchen Besenstrnnk zn verschaffen, um ihn
in ihr Krautfeld zu stecken. Davon wird ihre Krauternte reich. Am Andreastag fastet
das Mädchen, denn dann erscheint ihr im Traume ihr Zukünftiger. Anfangs December
kommt besen- nnd kettenbewehrt Nicolo zu den Kindern, den guten bringt er im
Schnappsack Nüsse mit. Zu Weihnächte» verkünden die heiligen drei Könige die Ankunft
des Jesukindleins, am Fest der unschuldigen Kindlein aber schlägt man einander mit
der Karbatsche, was vor Krankheit und Ungemach bewahrt. Am Sylvesterabend haben
die Mädchen alle Hände voll zn thun. Überall wird Blei gesucht und gegossen. Aus den
Formen, die es im Wasser annimmt, prophezeit man, wie nnd wer der Bräntigam sein
wird, ob der nächste Fasching eine Hochzeit bringt, ob und wie viel neue Kleider das
Dirnlein im neuen Jahre kriegt; ob die Eltern es auf den Ball führen werden n. f. w.
An Faschings Ende ist es vielfach Sitte, daß die Burschen nachts den gar zu wählerischen
Mädchen, die im Fasching nicht unter die Haube gekommen, einen großen Klotz an die
Thüre hängen. Dies ist das sogenannte „Klotzaufziehen", das die schwierige Maid mürbe
macht, so daß sie in Zukunft solche Schmach zu vermeiden trachtet.
Das Eisenburger Comitat ist ein Theil der römischen Provinz Pannonien (Ober-
Pannonien) und hat an deren Geschichte theilgenommen. An Römerspuren ist kein Mangel
und das Comitat ist eine wahre archäologische Fundgrnbe für jene Zeit. Die älteren
Funde sind im Ungarischen Nationalmuseum, die jüngeren in der Antiquitätensammlung
des Eisenburger Comitats aufbewahrt. Von diesen sind zu erwähnen die im Lande sonst
seltenen altchristlichen Grabinschriften mit dem Monogramm Christi, welche die Verbreitung
des Christenthums in dieser Gegend im lV. Jahrhundert bezeugen. Nach den Römern
kamen die Hunnen, aus deren Zeit, beziehungsweise aus der Zeit der Völkerwanderung,
auf Pußta Potyi in der Nähe von Eisenburg (1877) Schwerter gothischen Ursprunges
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch