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und andere Gegenstände gefunden wurden. Als die Magyaren ins Land kamen und das
Königreich Ungarn gründeten, wurde das Comitat, als Grenzregion, der Schauplatz zahl-
reicher Kämpfe, die sie gegen die Deutschen bestanden. Seit der Mitte des XVI. Jahr-
hunderts folgten dann die türkischen Einfälle, das XVII. Jahrhundert hindurch und zu
Beginn des XVlll. die Wirren der Bocskay, Gabriel Bethlen und Räköczy. Mit dem
Szatmärer Frieden brach eine Zeit ruhigerer Entwicklung an. Das Jahr 1774 brachte
ein Ereigniß auf dem Gebiete des Comitatslebens; damals begann der Bau des jetzigen
Comitatshaufes, das schon 1779 unter Dach gebracht war. Früher hatte das Comitat
seine Sitzungen in der Festung zu Steiuamauger, dann in Miethhäusern abgehalten. Die
Agitation aber, dem Comitat sein eigenes Sitzungshaus zu schaffen, hatte schon 1641
begonnen. Im Jahre 1797 versammelte sich die adelige Jnsurrection im Lager bei
Steinamanger und der Anblick der kriegerischen Jünglinge begeisterte Daniel Berzsenyi,
den gekrönten Dichter des Comitats, zu einer herrlichen Ode. Die gegen die Franzosen
aufgebotene adelige Jnsurrection im Jahre 1809 gab dem hiesigen Adel neue Gelegenheit,
seine kriegerische Begeisterung zu bethätigen. Die neuere verfassungsmäßige Epoche ist
auf allen Gebieten die Zeit der patriotischen Arbeit uud des Fortschritts. Dieser Thätigkeit
dankt das Comitat die Vermehrung der Verkehrsmittel, die Entwicklung von Handel nnd
Gewerbe, die Errichtung seines Waisenhauses, der Kiuderbewahranstalten, seines Casinos
und Theaters zu Steinamanger. Auch der laudwirthschaftliche Verein des Comitats erwachte
zu neuem Leben und fördert seither mit Eifer und Erfolg die Interessen der Landwirthe.
Nach dieser allgemeinen Schilderung des Comitats gehen wir auf die Einzelheiten
über, und zwar zunächst auf Steinamanger und seine Umgebung.
Steinamanger (Szombathely) hieß bei den Römern Savaria, woraus später
Sabaria wurde. Das deutsche Stein-am-Anger soll wahrscheinlich eine aus der Ebene
aufsteigende steinerne Burg bezeichnen oder knüpft sich an die Ruiueu uud Steine, die im
Gefilde verstreut lagen, nachdem die Hnnnen oder ein Erdbeben die Stadt zerstört hatten.
Der ungarische Name dürfte am wahrscheinlichsten damit zusammen hängen, daß in alter
Zeit die Märkte statt am Sonntag, am Samstag (s?omdst) an diesem Orte (Ke>x)
abgehalten wurden. Steinamanger gehörte den Bischöfen von Raab, im Jahre 1407
erhielt es vom Bischof Johann einen Freibrief, der auch von dessen Nachfolgern wiederholt
bestätigt und erweitert wurde. Allein die Raaber Bischöfe erfreuten sich nicht immer des
friedlichen Besitzes von Steinamanger, vielmehr genossen im Laufe des XVI. Jahrhunderts
anch Peter Bakich, Franz Nädasdy und die Familie Revay die Benefizien der dortigen
Burg. Von den Revay erwarb sie im Jahre 1554 der Raaber Bischof Paul Gregoriancz
zurück. Im Jahre 1579 tagte in der Stadt ein Diöeefan-Concil, das die Beschlüsse des
Tridentiner Concils verkündete. 1638 verlieh Georg Draskovich Junior, Bischof von Raab,
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch