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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Band 16
Seite - 368 -
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368 die bei Steinamanger gelegene Kirche von St. Martin nebst allen ihren Benefizien dem Dominicanerorden. Während der Kämpfe des XVII. Jahrhunderts wurde Steinamanger durch die Schaaren des Fürsten Bocskay zerstört. 1710 wnrde es durch eine furchtbare Pest und bald darauf durch häufige Feuersbrünste verheert. Die Begründung seiner Schulen dankte es (1776) dem Raaber Bischof Franz Zichy, der hier ein vierclassiges Gymnasium errichtete; es wuchs bald auf sechs Classen und wurde später mit dem Lyceum vereinigt. Noch im vorigen Jahrhundert hatte die Stadt eine feste Burg und war mit einem Mauerring umgeben, dessen fünf Thore in die Gyöngyös-, Kößegi- (Günser), Forrö-, Kis- und Nagy-Kar-Gasse mündeten. Das jetzige Steinamanger steht sozusagen auf den Trümmern des alten Sabaria und dehnt sich größtentheils zwischen den Bächen Güns und Prenten aus. Seine Lage ist reizend. Im Westen von mäßig hohen Rebenhügeln umfaßt, hat es im Osten den Blick über die blühende Ebene. Ringsum lockeu schattige Baumgänge zum Spaziergang. Auch au Ausflugsorten fehlt es nicht. Im Norden bilden die Günser Berge einen schönen Hintergrund. Die Einwohnerzahl beträgt sammt dem Militär 17.129; meist Römisch-Katholische. Unter den hervorragenden Gebäuden steht die monumentale Domkirche voran. Sie hat eine prächtig gewölbte Kuppel, von Meisterhand gemalte Deckenfresken und Altarbilder, auch eine große Orgel. Sie steht an der Westseite der Stadt, zwischen dem Seminar und dem bischöflichen Palais. Ihre Rückseite verdeckt das Asyl der invaliden Geistlichen. Die auf einem breiten Platz stehende Facade ist im Erdgeschoß, wie im oberen Stockwerk durch eine Säulenreihe gegliedert. Die Kirche ist in Kreuzform angelegt und ihre Wände sind mit rothem Stuckmarmor belegt. Längs dieser Wände erheben sich auf etwa anderthalb Meter hohen Sockeln Reihen korinthischer Säulen aus dem nämlichen Material. Der Hochaltar hat echte Marmor- säulen. Die Capitäle und Basen der Säulen sind reich vergoldet. Ihre Restauriruug ist soeben im Zuge. Die Kirche enthält zehn Altäre. Das Bild am St. Stephansaltar ist ein Meisterwerk Dorfmeisters. Auf eiuem anderen Altare steht ein Glassarg mit den Reliquien des heiligen Placidus. Auch eine Partikel des heiligen Kreuzes, ein Geschenk des Cardiualbischoss Herzau, wird in der Kirche verwahrt. Im Chöre, dem bischöflichen Stuhle gegenüber, hängt die Bekehrung Pauli, ein vorzügliches Gemälde von Ricci. Es heißt, die Franzosen hätten es, als sie 1809 in der Stadt waren, mitnehmen wollen und nur auf inständiges Bitten zurückgelassen. Der Bau der Kirche wurde 1791 durch den in Rom erzogenen Bischof Szily begonnen, die innere Ausstattung 1821 durch Leopold Somogyi beendet. Hier produzirte im Jahre 1880 Adolf Kuuc, Prälat von Csorna, damals Professor zu Steinamanger, bei Gelegenheit des in dieser Stadt abgehaltenen ungarischen Naturforschertages, den Foucault'scheu Peudelbeweis für die Rotation der Erde.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (4), Band 16
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (4)
Band
16
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.18 x 21.71 cm
Seiten
616
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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