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Raaber Propst Emerich Kelcz gegründet. Auch durch Anton Ferenezy fand das Vermögen
namhafte Vermehrung.
Die Stadt liegt am Güusflusse, am Fuße der Berge, iu sehr schöner Gegend. Sie
hat angenehme Spaziergänge; Einwohner und Fremde wandern gern zum Sieben-,
Reh- oder Hermannbrunnen, auf das alte Haus (6-häz) u. s. w. Die gesunde Luft trägt
dazu bei, Güus als Sommerfrische immer beliebter zu machen; auch ist 1894 eiue zweck-
mäßig eingerichtete Kaltwasserheilanstalt eröffnet worden. Die Einwohnerzahl beträgt
6.931; die Sprache ist meist deutsch, doch nimmt neuerdiugs auch das Magyarische zu.
Die Hauptgebäude sind: die kürzlich erbaute schöne römisch-katholische Kirche, die Festung,
das Waisenhaus, die Militär-Erziehungsanstalt, Honvedkaserne und Sparcasse. Auch
besitzt Güus einen Musikverein, eine Franen-Präparandie, ein Untergymnasium, Bürger-
schulen für Knaben und Mädchen, eine Volksschule, Tuchfabrik, Dampfmühle. Iu der
St. Jakobskirche befinden sich die Gedenktafel und Gruft der Kinder von Niklas Jurisich,
mit deutscher Inschrift. Nach neueren Forschungen ist es wahrscheinlich, daß auch Jurisich
selbst hier seine Ruhestatt gefunden. Die Erbauung dieser Kirche wird von Martin Rosnäk,
dem Chronisten der Belagerung von Güns, uud nach ihm von Anderen dem Palatin Niklas,
Sohne des früheren Palatins Niklas Garai, zugeschrieben. Nahebei steht die städtische
Pfarrkirche oder ungarische Kirche, die mit ihrem nnverhältnißmäßig hohen Thurme auf
unserem Bilde auffällt; sie wurde 1615 durch die ungarischen Anhänger des Augsburger
Bekenntnisses erbaut, die sie jedoch später an die Katholiken verloren. In den Jahren
1892 bis 1894 wurde auf dem Florianiplatz eine schöne gothische Kirche erbaut, die jetzt
als Pfarrkirche dient.
Güns war früher selbständige königliche Freistadt, wovon aber nur noch der Titel
übrig ist. Frohe Tage voll Glanz und Geräusch erlebte das sonst stille Städtchen während
der Herbstmanöver 1893, als es den Apostolischen König und dessen gekrönte Gäste, den
deutschen Kaiser und den König von Sachsen, in seinen Mauern begrüßen konnte. Unter
den fürstlichen Gästen sah mau noch den Herzog von Eonnaught, den Prinzen Ludwig vvu
Baiern, die Erzherzoge Leopold Salvator, Franz Salvator, Albrecht, Friedrich, Eugen,
Wilhelm, Josef und Ladislans, dann die Minister und die anderen Notabilitäten. Seine
Majestät der König und der deutsche Kaiser stiegen im Gebände der militärischen Unter-
realschule ab. Der König traf am 16. September Abends in Güns ein, um die später
ankommenden hohen Gäste persönlich empfangen zu können. Die groß angelegten Manöver
spielten sich vom 18. bis zum 21. September ab, wobei stets Güns der Rastplatz der
Monarchen war. Die Stadt hat die Erinnerung dieser glänzenden Tage auf den schönsten
Blättern ihrer Geschichte verzeichnet, das Interesse der ganzen eivilisirten Welt war ihr
damals zugewendet.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch