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Unter den Ortschaften des Bezirkes sind die folgenden zu erwähnen: Rechnitz
(Rohoncz) ist von den weinspendenden „Rechnitzer Bergen" umgeben. Das von den
Batthyäny erbaute große parkumgebene Schloß gehört jetzt Julius Szäjbsly. Bernstein
(Borostyänko) ist eine alte Ritterburg auf 619 Meter hohem Felsen. Seit 1231 im Besitz
des Herzogs Friedrich von Österreich, wurde es durch Bela IV. zurückgewonnen; im
Jahre 1270 übergab es Heinrich von Güssing dem Böhmerkönig Ottokar. 1271 gelangte
es an das Reich zurück und ging in den Besitz Johanns von Güssing über. Später kam
es an Herzog Albrecht von Österreich, wurde jedoch 1291 durch Andreas III. wieder iu
Ungarn einverleibt. Bon 1647 bis 1864 gehörte es den Batthyäny, die es der Familie
Egan verkauften; 1892 ging es, wieder durch Kauf, au Eduard Almässy über. Die Burg
enthält 34 Zimmer, die als Wohnränme dienen. Die alten engen Fenster wurden erweitert.
Der große Saal hat Fresken, Reliefs uud prächtigen Arabeskenschmuck. In der Rüstkammer
befindet sich altes Kriegsgeräth. Auch ein tiefer Brunnen ist vorhanden, der der Sage
nach irgend einmal mit der Burg zu Lockeuhaus (Leka) iu Verbindung gestanden. Die
Wälle, einst mit waffenklirrenden Rittern bemannt, bilden jetzt einen blumigen, schattigen,
durch Brücken und Treppen zusammenhängenden Park. Die Umgebung der Burg ist
ein förmliches kleines Paradies und die Aussicht von den Wällen auf die gebirgige Nähe
und Ferne ist entzückend. Bernstein hat 1.291 deutsche Bewohner. In seinen Bergen wird
Serpentin gewonnen, der sich zu Ziergeräth und Schmuckgegenständen verarbeiten läßt.
Auf dem nahen Kimmberg, wie auch auf dem Geschriebeu-Stein (Jrottkö) bei Rechnitz,
sind Aussichtswarten errichtet. Nahe bei Güns liegt Lockenhaus (Leka), dessen Kloster
in ein fürstlich Eszterhazy'sches Schloß verwandelt ist; in der zugehörigen Kirche ist die
Gruft der Grafen Nädasdy und Draskovics, auch der im Jahre 1671 durch das Schwert
Hingerichtete Franz Nädasdy ist hier bestattet. Dieser Nädasdy hat hier im Jahre 165ü
ein Priorat der Augustiner-Eremiten gestiftet, dessen Einkünfte 1820 auf die Pfarre
übergingen. Nur das Dorf lag damals auf dem Gebiet des Eifenbnrger Comitats; die
schön gelegene, doch größtentheils schon baufällige Burg gehörte zum Ödeuburger Comitat
und wurde erst vor zehn Jahren dem Eisenburger Comitat einverleibt. Lockenhaus kommt
urkundlich um die Mitte des XIII. Jahrhunderts vor. Im XIV. Jahrhundert gehörte es
bald den Grafen von Güssing, bald den Kaniczsay, nach deren Aussterben es, im Wege
der Präsectiou, Mitte des XVI. Jahrhunderts auf die Nädasdy überging; diesen verblieb
es, bis es, als die Güter des enthaupteten 5uäex curiae confiscirt wurde» (1671), dem
Palatin Paul Eszterhäzy zufiel. Seitdem gehört es zum fürstlichen Fideieommiß. Im
Burghofe befindet sich eiu fast 100 Meter tiefer Brunnen und unter den Trümmern der
Burgkapelle ein eingestürztes gruftartiges Gewölbe, wo «ach der Bolksmeinnng ein »ach
Rechnitz führender unterirdischer Gang mündet. Sehr interessant ist der ziemlich g»t
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch