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Allein der Hienz ist kein Stubenhocker, lebt genügsam nnd braucht kein geräumiges Heiin.
Sein Viehbestand füllt nur eine» kleinen Stall, und auch das Preßhaus, ein an manchen
Orten charakteristischer Bestandtheil seines Hoses, wird überflüssig, wo sein Weingarten
von durchschnittlich 50 „Pfund" (190 Pfnnd 4 bis 8 Joch) der Phylloxera zum
Opfer gefallen ist. Seine Ernte braucht auch keine allzu große Scheuer, denn Bauern
mit einer ganzen Session sind selten. (Eine Achtelsession ist in der Ödenburger Gegend
3 bis 7 Joch groß.)
Das Hienzenhaus zeigt, je uach der Baustelle uud den Verhältnissen der Bewohner
verschiedene Formen, hat aber in seiner einfacheren und ursprünglicheren Gestalt im
Allgemeinen den Typus des oberdeutschen Bauernhauses bewahrt. Die früher zumeist
alleiiistehendeu, ganz geschlossenen Höfe reihen sich jetzt auf schmalen Hausstellen als
längere Gassen hin; zuweilen ist ein Hof zweien gemeinsam. Früher waren es Holzhäuser,
jetzt sind sie znmeist aus Stein nnd mit Dachziegeln oder Schindeln gedeckt. In den
Dörfern der Günser Gegend haben gewöhnlich drei Seiten der Hausstelle ein fort-
laufendes Dach. Unter diesem öffnen sich, in der Mitte der Gassenseite, Thor und Thür.
Die rechte Seite bildet das Wohnhaus, das seine Giebelwand der Gasse zukehrt; ihm
schließt sich hinten, im rechten Winkel, die mitunter schon an die Bergseite gelehnte
Scheune an. Die Hofseite des Wohnhauses entlang läuft erhöht der von hölzerne»
(mitunter gemauerten) Säulen gestützte Hausgang („Gräd'n"). Von hier aus betritt man
das bisweilen mit Geschirrbrettern geschmückte Vorhaus („Lab'm"). Dieses ist mit der
fensterlosen, den offenen Herd enthaltenden Küche durch eine große, thürlose Öffnung
verbunden, die, oben durch einen Balken („Mandlpam" — Mantelbaum) abgeschlossen,
ohne Zweifel ein Überbleibsel des früheren Kaminhalses ist. Aus dem Vorhause tritt
man rechts in die oft gedielte Stube und hat gegenüber zwei Gassenfenster, rechts ein
Guckfensterchen uach dem Hofe. Da steht in einer Ecke der schwarze, nnßhölzerne Tisch
mit zwei Laden, er hat neben sich zwei Bänke uud über sich ein Schüsselbrett. Gegenüber
steht der Ofen mit der beliebten Ofenbank; daneben das hvchgethürmte Bett, meist mit
einem Himmel, der Stolz der Hausfrau. Weiteres Linnen sammelt diese in der ans Füße
gestellten Gewandtruhe und im Schrank. Kleider werden auch auf die unter der
Balkendecke hängenden Stangen gebreitet. Links vom Vorhause liegt die durch eiu
Fenster erhellte Speisekammer („Kitting", vielleicht — Gehüttnng). Sie war im vorigen
Jahrhundert, als man noch nicht aus Stein baute, ein alleinstehendes Häuschen, dessen
dick mit Lehm verschmierte Wölbung und Wände eine gewisse Feuersicherheit boten. Vom
Hausgang steigt jenseits der Vorhansthüre eine Treppe auf den Boden hinauf und in
den Keller hinab, nnd vom Hausgang öffnet sich auch die Thüre des fensterlosen Stalles.
Hinten ist die Tenne, die man dnrch ein Thor betritt, daneben links die Scheuer („Stad'l"),
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch