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der untere der Frau; wessen Stück früher schimmlig wird, stirbt früher. Dann muß sie
einen Topf Kraut einsalzen, um eine gute Hausfrau zu werden. Endlich schaut sie in den
Backofen, nm sich nicht zu den Eltern heimzusehnen.
Der Jahreskreis . Bei dem ersten Austrieb im Frühling schneidet man dem Vieh
etwas Haar zwischen den Hörnern weg, damit es nicht stößig sei. Zu dieser Zeit bedeutet
es Glück, wenn das Vieh ein auf die Schwelle des Stalles gelegtes Ei nicht zertritt. Beim
Heimtreiben im Herbst, am Martinitag, trägt der Hirt eine „Mirtengart'n" (Martiniruthe)
in die Häuser und wünscht damit Glück. Beim Säen wird auf den Sack mit Saatkorn
Erde gelegt, um gute Ernte zu erhalten; wird der Knoten des Tuches, in dem man das
Saatkorn hält, nicht aufgebunden, so wächst kein Unkraut. Einen Getreidehalm mit zwei
Ähren zu finden, ist Glück. Gegen Hagelschlag ist es gut, die drei ersten Hagelkörner ins
Fener zu werfen. Umhegt man den Acker mit einem aus Pfähle gebundenen Faden, den
mau mit einer aus Schmeer und Schießpulver bereiteten Salbe bestrichen hat, so wird
innerhalb des Fadens nicht Maus, noch Vogel Schaden anrichten. Nach der Leinaussaat
ißt man mit Leinöl bereiteten Kuchen, um viel Flachs zu erhalte». In der Nacht des
Thomastages („reichi Nacht") geht man auf den Kreuzweg und horcht; woher Gesang
schallt, da wird in diesem Jahre geheiratet werden, uud woher ein Klopfen tönt, dort steht
ein Begräbniß bevor. Am Jakobstage darf man kein Brot backen, denn das Fener schlägt
zum Ofen heraus. Auch das Bleigießeu („Leseln") ist bekauut, desgleichen das Karbatscheu
am Tage der unschuldigen Kindlein, um sich die Gesundheit zu sichern. Am Dreikönigstag
kommen 9 Gänge auf den Tisch, daruuter gedörrte Birnen. Von jedem Gang wird etwas
für die „Bndlfrau" (andern Ortes „Lutzlfrau") aufgehoben, welche an diesem Abend die
Kinder besucht, wie anderwärts der Nikolo oder Krampus. Durch ein Dorf, in dem
während des Faschings keine Hochzeit stattgefunden hat, wird ein Block gezogen (das
„Blockziehen"). Am Aschermittwoch wird der Fasching begraben, indem man unter allerlei
Eeremouieu den größten Kranz des Tanzsaales einscharrt. Am Johannistag werden
Hollunderblüten auf Krapfenart ausgebacken; auch zündet man Feuer au wie zu Ostern
uud Pfingsten. Das Osterfeuer verbrennt mit dem Weizenstroh auch den Weizenbrand.
Ostersonntag nachmittags ist „Griangehn", das heißt die Hanslente gehen aufs Feld
und beten bei jedem Acker. Die Protestanten stecken das Schulterblatt eines Schweines
in die Erde, damit der Weizen fett werde, die Katholiken aber Weidenkätzchen gegen den
Hagelschlag. Am Vorabend von Pfingsten wird mit der Peitsche geknallt; wer am erste»
Pfingsttage zuletzt aus dem Bett ist, wird „Pfingstlukeu" (Nachhatscher) genannt. Der
Frühling heißt „Auswärt", der Herbst „Hirist".
Sonstiger Volksglaube. Das am Souutag nach Neumond geborene Kind
(„Neusonntagskiud") sieht Alles; im Dunkeln kann ihm viel Böses zustoßen („augradig").
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch