Seite - 410 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Band 16
Bild der Seite - 410 -
Text der Seite - 410 -
410
strömenden Misse, so die Jkva, Rabnitz und kleine Raab regnlirt. Überdies wurde
ein über 30 Kilometer langer Hauptkanal vom Nensiedler See durch den Wieselburger
Hausäg direct nach Osten bis zur Rabnitz gegraben. In seinem Bette gräbt man jetzt den
großen Kanal, der 4 8 Meter tief uud an der Sohle 15 Meter breit ist. Er beginnt an
der Brücke von Pamhagen (Pomogy), deren Umgebung selbst eine Wasserscheide ist;
westlich von ihr fließen die Gewässer dem Neusiedler See, östlich dem Hansäg zu. Dies
erklärt auch, daß, weuu die obeu erwähnten Flüsse stark anschwellen, ein großer Theil
ihres Wassers nach dem See abfließt, denn die Meereshöhe der Jkva ist bei ihrer Mündung
118, die der Rabnitz und kleineu Raab 116 Meter, die der beiden letzteren also der des
Seeufers gleich, das im Verhältniß znr westlichen Hälfte des Hansäg eine wahre Depression
darstellt. Daher die periodische Schwankung des Seespiegels, der sich in nassen Jahren
hebt, in trockenen znweilen ganz schwindet.
Unter den angeführten Flüssen nimmt die Jkva alle Wasseradern auf, die au deu
Nord- und Südhängen der östlichen Hälfte des Ödenburger Gebirges entspringen. Jkva
heißt sie eigentlich erst südlich von Ödenbnrg, nachdem sich der größere Schatteudorfer
Bach mit dem Waudorfer (früher Egered) vereinigt hat. Den ersteren ueuueu die Oden-
burger Spittelbach, weil an seinem Ufer zu Ödeuburg die Johauuiter ihreu Spittel stehen
hatten. In der ersten Silbe des Namens Jkva soll ein nrmagyarisches Wort („ik- —
heilig) erhalten seiu, so daß, mit Rücksicht auf die vielen mit endigenden Flnß-
namen, das Wort „heiliges Wasser" bedeuten würde.
Die Rabuitz (Repeze), die sich in den Hansäg, dann aber weiter östlich in die
Douau ergießt, entspringt in Niederösterreich und sammelt alle von den Landseer Bergen
herabfließenden Gewässer. Diese äudern vielfach ihre Namen; so heißt der nahe bei
Klein-Warasdors (Kis-Barand) entspringende Bach zuerst Net, dauu Nikitsch, Sio,
Bereg und zuletzt Ikaros üvHv; er theilt sich dauu iu zwei Arme, deren einer in die
Jkva, der andere in die Rabnitz mündet.
Die kleine Raab (Kis-Räba) zweigt von der Raab ab, wo diese die südöstliche
Grenze des Comitats berührt, und strömt von hier geradeaus nördlich dem Hansäg zn.
Die in Steiermark entspringende Raab selbst umzieht die südöstliche Ecke des Comitats.
Iu alter Zeit gab sie viele Seitenarme ab, deren jeder unter mehreren Namen ging, was
leicht zu der Meinung führte, daß das Ödenburger Eomitat ehedem sehr reich au
Gewässeru gewesen.
Um das Bild zn vervollständigen, sei noch erwähnt, daß es hier bis zum Ende des
X VI. Jahrhunderts zahlreiche Fischteiche gab. Überhaupt stand die Fischzucht damals in
Blüte, selbst im Stadtgraben von Ldenbnrg wurden Fische gehalten, deren Fang ein
Privileg des Bürgermeisters bildete.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch