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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Band 16
Seite - 417 -
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417 Im schwarzen, verschnürten, mit silbernen Rnndknöpfen benähten Dolmäny, darunter das „Leibl" mit silbernen Flachknöpfchen bis an den Hals geschlossen, die hirschledernen Hosen in die faltenreichen ungarischen Schäfte der Stiefel gesteckt, auf dem Kopf den Astrachan-Kalpag oder das runde hochgekrämpte Hütchen — so stolzirt man einem flotten Kriegsmann gleich durch die Gassen. Sehr hübsch machen sich auch die Mädchen in ihrer halbungarischen, halbdeutschen Tracht, und wenn sie etwa bei festlichen Anlässen zu gemischtem Gesangschor vereint auftreten, um ungarische und deutsche Volkslieder zu singen, geben sie in der That ein schönes Bild. Anf den Dörfern ist die deutsche Tracht besser erhalten geblieben. Charakteristisch ist bei den Männern die lange blaue Schürze, ohne welche sie nie erscheinen, und sie sehen originell aus, wenn sie, den schweren Tragkorb auf dem Rücken, neben ihren Eheweibern einherschreiten uud allerlei Lebensmittel auf den Wochenmarkt in die Stadt bringen. Der Kroate thut dies nicht; es ist schon etwas Großes, wenn er einen Korb am Arme trägt. Er ist der südslavischen Sitte, welche Derartiges den Weibern überläßt, treu geblieben. Auch in anderer Hinsicht haben sich die Kroaten viele Züge aus ihrer südlichen Heimat bewahrt, von wo sie in der Türkenzeit durch die Nädasdy und Esterhazy nach dieser Hügelgegend verpflanzt worden. Die Deutschen nennen sie „Wosserkrowoteu", was eine Verballhornung der Bezeichnung „Bosnier Kroat" ist, hervorgerufen durch die un- ausrottbare Neigung des Kroaten selbst, das Deutsche „b" unvermeidlich als „w" und dafür das „w" als „b" auszusprechen. Sie sind ein kräftiges, mnsknlöses Volk von hohem Wüchse, breitgewölbter Brust und derben, großknochigen Extremitäten. Ein Theil befaßt sich mit Landwirthschaft, Fuhrgefchäft nnd Handel, die Übrigen finden ihr Brot als Arbeiter in den Zuckerfabriken. Sie sind ein nüchternes und religiöses Volk. Ihr religiöses Gefühl sieht man schon in den zahlreich errichteten Krenzen, Säulenheiligen und kleinen Kapellen ausgedrückt. Die meisten Kroaten sprechen auch deutsch; wo sie aber starken Verkehr mit Magyaren haben, verschmelzen sie nach und nach mit diesen. Die Einwohnerzahl des Ödenbnrger Comitats beträgt nach der letzten Zählnng 259.602. Davon entfallen auf die Stadt Ödenburg 27.213. Darunter waren 122.334 Magyaren (in der Stadt 8104), 105.043 Deutsche (in der Stadt 17.390) und 30.160 Kroaten. Der Religion nach ist die Mehrzahl römisch-katholisch (218.415); dazu kommen 31.715 Evangelische uud 9043 Juden. Anderen Bekenntnissen gehören 500 an. Im magyarischen Dialect des Ödenbnrger Comitats fällt besonders die starke Ver- wendung der Diphthonge auf (Biela statt Bela, Juözsi statt Jözsi). Der Comitatssitz, die königliche Freistadt Ödenburg (Soprou) ist eine der ältesten Städte Ungarns. Sie liegt am Knotenpunkt zweier uralter Straßenlinien Mitteleuropas Ungarn IV. S7
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (4), Band 16
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (4)
Band
16
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.18 x 21.71 cm
Seiten
616
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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