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Nach der Völkerwanderung erscheint der Name der Stadt zuerst als „Oudiuburch"
und „Odinburch" in dem Douatiousbrief Ludwigs des Deutscheu vom Jahre 845. Die
Ärpäden kamen oft nach Ödenbnrg, das zu Anfang des XIII. Jahrhunderts ein Salz-
stapelplatz war. Zu dieser Zeit befindet sich da auch eine „Präeeptur" oder ein „Convent"
des Johanniterordens, der als „loeus ereäibilis" galt. Der Tatareneinfall nahm die
Stadt arg mit und Friedrich der Streitbare, Herzog von Österreich, benutzte die Be-
dräuguiß Belas IV., um sich Odeubnrgs zu bemächtigen, mußte es aber bald wieder
herausgeben. Auch die folgenden Zeitläufte brachten viel Kriegsnoth, bis mit dem
XVIII. Jahrhundert die friedliche Entwicklung eintrat. Der neuere Aufschwung begann
in den Fünfziger-Jahren unseres Jahrhunderts und hat sich seit der Wiederherstellung
der Verfassung mächtig gesteigert.
Wenn man von Raab her mit der Eisenbahn ankommt, gelangt man zuerst auf den
Deäk-Platz, diese reizende Promenade zwischen zwei Reihen schmucker Häuser, unter denen
der Bau der höheren Töchterschule stattlich hervorragt. Auf dem Szechenyi-Platze steht
das große Cafinogebäude. Bemerkenswerth ist ferner das 1557 gegründete evangelische
Lyceum, mit Obergymnasium und theologischer Facnltät, sowie einer Bibliothek von
21.000 Bänden. Viele namhafte Patrioten haben da ihre Ausbildung erhalten, unter
ihnen Johann Kis, Gründer der „Soproni türsasüZ" (Ödenburger ungarische
Gesellschaft), der ausgezeichnete Dichter Daniel Berzsenyi, Gabriel Döbrentei, erster
Secretär der ungarischen Akademie der Wissenschaften n. f. w. Das städtische Theater,
in dem abwechselnd ungarisch und deutsch gespielt wird, ist ein Bau von edler Einfachheit.
Auf dem Platze davor steht die Bronzebüste des im Comitate geborenen Franz Liszt.
Hier erhebt sich auch das elegante Gebäude der katholischen Volksschule. Die Theatergasse
führt zu der schönen evangelischen Volksschule und weiter zur evangelischen Kirche.
In Ödenbnrg befindet sich einer der höchsten Thürme Ungarns (60 7 Meter), der
schon gar vielen Stürmen getrotzt hat. Seine drei Abschnitte tragen das Gepräge dreier
Epochen. Der untere ist ein massiver Cylinder aus der Ärpädenzeit; der mittlere, achteckige
gehört der Renaissance an. Verbunden sind beide durch ein prächtiges, arkadengeschmücktes
Mittelglied, von dessen Bogengang man eine herrliche Aussicht auf die Stadt und ihre
Umgebung genießt. Der oberste Theil des Thurmes, das Dach, ist nach dem furchtbaren
Brande im Jahre 1676 erbaut. Am Rathhausplatze steht das neue Rathhaus und diesem
gegenüber das Eomitatshaus, ferner die Benediktinerkirche, die nebst anderen künstlerisch
interessanten Bauten der Stadt in dem Aufsatz über die Baudenkmäler rechts der Donau
gewürdigt wnrde. Die Häuser an diesem Platze gehören meist dem XV. Jahrhundert an
und ihre mit Säulen-Loggien geschmückten Höfe machen einen vornehmen Eindruck. Eines
derselben enthält das städtische Archiv, eine förmliche Schatzkammer von Daten über die
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch