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Landsee war also eine der stärksten Grenzvesten Ungarns und steht als Bau würdig
zwischen Forchtenstein und Lokenhans (im Eisenburger Comitat). Seine Entstehung
fällt wohl ins XII. Jahrhundert. Seit 1612 ist es in Esterhäzy'schein Besitz. Die westlich
der Burg gelegene gleichnamige Ortschaft hat die höchste Lage im Comitat (620 Meter)
und ist von einer Basaltkuppe überragt, welche die Ruine eines 1701 gebauten Camal-
dnlenserklosters trägt. Burg Landsee selbst fiel 1772 einem Brand zum Opfer und blieb
dann ganz vernachlässigt, so daß sich die Gemeinde aus ihr mit Quader- und Backsteinen
versorgte. Die Mauern sind mit Birken und Tannen bewachsen, die der Vernichtung
einen Schein von Leben verleihen. Die Aussicht ist herrlich, sie rechtfertigt den Namen,
denn sie gibt viel Land zu sehen. Östlich und südlich von Landsee bis an die Grenze
des Comitats liegt der jetzige Pullendorser (Pnlyaer) Bezirk, ehedem die Lntzmans-
bnrger (Lotschmanusburger, Loesmänder) Burggespanschaft. Der Ort „Lutschburg"
(Locsmäud) kommt schon 1137 vor; er wurde durch König Geza II. nebst dem nord-
westlich gelegeneu Gerisdors (Gyirot) und dem südwestlich liegenden Särod, dem
heutigen Frankenan (Franko, nach der Familie Frank benannt) den deutschen Rittern
Albert und Gottfried geschenkt. Mit ihnen prozessirte im Jahre 1171 wegen dieser Güter
der Lutzmauusburger Burghanptmann Jvänka, doch wurden sie dnrch Stephan III. in ihrem
Besitze bestätigt. Bela IV. verlieh im Jahre 1263 die gauze Burggespanschaft sammt der
Burg Landsee dem Loreuz aus dem Geschlechte Aba. Die Lutschburg (Lutzmaunsbnrg)
stand vermuthlich auf dem Hügel, wo jetzt die Kirche steht; Spuren hat sie nicht hinter-
lassen. Diesseits von Lutzmaunsbnrg liegen im Thale des Stoober (Csävaer) Baches zwei
ungarische Ortschaften: Ober- und Mittel-Pulleudorf (Felfö- und Közep-Pnlya),
die in dieser von Kroaten und Deutschen bewohnten Gegend eine magyarische Insel
bilden. Ober-Pullendorf ist jetzt Bezirkssitz. Erwähneuswerth ist noch die im nördlichen
Theile dieses Bezirkes gelegene Ortschaft Nikitfch (Füles), mit einem Schloß der Grafen
Niczky, die von Ebed, aus dem Geschlechte Jäk, abstammen. Das reiche Archiv dieser
Familie wird in dem westlich gelegenen Schloß zu Nebersdorf (Likvänd) aufbewahrt.
Nördlich von hier liegt Warasdorf (Szabad-Bäränd) und über dieses hinaus Raidiug
(Doborjäu), der Geburtsort Franz Liszt's, der schon zum Ödeubnrger Bezirk gehört. Das
Geburtshaus Liszts ist durch den Ödenbnrger Schriftsteller- uud Künstlerclub mit einer
würdigen Gedenktafel bezeichnet worden.
Östlich von Landsee, mit einiger Abweichung nach Norden, liegt in der Thalmulde
das blühende Lackenbach (Lakompak). An seiner Ostseite steht die gleichnamige Burg,
laut der Inschrift über dem Thore im Jahre 1618 durch Nikolaus Esterhäzy erbaut, der
diese zu Landsee gehörige Besitzung mit seiner Gemalin Ursula Dersfy (Witwe des Franz
Mägoesi) erhalten hatte. Dieser mehr schloß- als bnrgartige Wohnsitz schwebte schon 1620
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch