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in großer Gefahr. Damals entsandte Gabriel Bethlens Commandant zu Ödenbnrg,
Kaspar Sennyei, 2000 Reiter unter Stephan Hnßar gegen Lackenbach, denen sich noch
Stephan Petnehäzi mit seinen Haidnken anschloß. Der eingeschlossene Burgherr Esterhäzy
begauu bereits wegen Übergabe zu unterhandeln, als ihm am 30. September von
Schwarzenbach her Dampierre zn Hilfe kam. Stephan Hnßär stellte die Seinen in
Schlachtordnung und griff die Deutschen an, deren Musketiere jedoch seine Truppen in
Verwirrung brachten, worauf Dampierre sie mit voller Kraft angriff und in die Flucht
schlug. Die Gefallenen wurden am Tarrödy-Hügel begraben, wo noch heute das Grab-
mal eines Bethleu Gabor'scheu Obersten, Matthias Tarrödy, in Stand gehalten wird.
Geradeaus östlich von Lackenbach liegt Neckenmarkt (Nyek); hier steht noch ein
Theil der alten Burgmauer, und mehrere alte stockhohe Häuser erzählen von schöneren
Tagen. Ju seiner Gemarkung, wie überhaupt iu der ganzen Gegend, kommen viele
römische Alterthümer vor. Noch weiter östlich folgt Dentfch-Krentz (Nemet-Kereßtnr)
nnd nahe dabei die gleichnamige Burg, die durch eine Thorinschrift als Bau des Paul
Nädasdy vom Jahre 1625 bekundet wird. Über dem Thore sieht man das Bild der
heiligen Jungfrau und ein Fenster, über das folgende Sage geht: Die herrliche Tochter
der Nädasdy war Braut. Als sie für den Gang zur Kirche augekleidet wurde, brach ein
furchtbares Gewitter los. Die Braut stand mit bekränztem Haupte am Fenster und blickte
hinaus, ob das Uuwetter noch lange währen möchte; allein der Himmel umzog sich immer
schwärzer. Plötzlich barst die Wolke, ein Krach, ein Schrei — und die schöne Braut lag
todt am Boden.
Nahe bei Deutsch-Kreutz liegt das Dorf Ziukeudorf (Czenk), Besitzthum der
Familie Szechenyi. Auf dem Kirchhofe steht eine in dorischem Stil erbaute Gruft, in der eine
altarähnliche Marmorplatte das Grab Graf Stephan Szechenyis, des „größten Ungars"
deckt. Dort ruht auch der große Erzbischof von Kaloesa, Graf Paul Szechenyi. Vor dem
Kirchhofe steht eiue vom Grafen Stephan Szechenyi im Renaissancestil erbaute Kirche.
Das gräfliche Schloß ist in edler Einfachheit gehalten und von einem englischen
Park umgeben. Es enthält eine reiche Bibliothek und wissenschaftliche Sammlungen, meist
von der ostasiatischen Reise des Grafen Bela Szechenyi. Von dem Vorgarten geht eine
herrliche Lindenallee aus, die durch Gräfin Susanne Barköczy und ihren Gemal, Grafen
Anton Szechenyi, im Jahre 1751 gepflanzt wurde. Sie ist drei Kilometer lang und in
der Nähe ihres nördlichen Endes steht das Mansoleum mit dem kunstvollen Grabmal
(von Kundmann), welches Graf Bela Szechenyi seiner Gattin, Gräfin Hanna Erdödy
errichtet hat. Die Allee führt in ein Wäldchen, jenseits dessen auf einem erhöhten Punkte
des den Neusiedler See überragenden Plateaus die Gloriette steht, wo Graf Franz
Szechenyi sich am liebsten aufhielt. Sie bietet eine reizende Aussicht über das Seegelände.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch