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Das Alluvium tritt auf den Donau-Inseln, dem Donau-Ufer, längs der Leitha, am
Ostrande des Neusiedlersees und im Hansäg auf. Der Torf des Hansäg ist durchschnittlich
zwei Meter stark; er lagert auf bläulichem oder gelblichem, stellenweise sandigem Tegel,
der bis zu einem Meter dick wird und auf Kies liegt. Gestochen wird der Torf jetzt nur
noch im Lehudorfer Bezirk; er dient zur Heizung von Locomobilen und als Streu.
Im Gelände des Neusiedlersees finden sich sodahaltige Seen und Flächen verstreut.
Sie sind dadurch entstanden, daß nach der Einschrumpfung des Sees die im Boden der
ausgetrockneten Fläche enthaltene Soda in Folge Wauderus der Grundwässer den Sommer
über effloreszirt, während der nachfolgenden feuchten Jahreszeit aber an die tieferen
Stellen gespült wird, wo dann der sodahaltige Thon eine undurchlässige Schichte bildet.
Als diese Strecke» noch unter Wasser standen, bildete sich im Untergrund eine Kalksteinbank
(Hardpan), wie z. B. bei Podersdors eine zu sehen ist.
Im Lauf der Zeit haben sich in solchen Becken alle die salzigen Niederschläge uud
die Verwitteruugsproducte dermaßen angesammelt, daß jetzt nach der sommerlichen Ver-
dunstung des Wassers eine zwei bis vier Centimeter dicke Salzschichte vorhanden ist. Die
kleinen Seen dieser Gegend sind mit solcher Sodalösung gefüllt und die Weiden ähneln
ganz den Sodastrecken auf den Thonen des Alföld. So lange sie feucht sind, bilden sie
schönen grünen Rasen, sobald sie aber austrocknen, verdorrt ihre Grasnarbe und die Soda
effloreszirt fleckweise oder sie bildet, wo sie an einzelnen thonigen Stellen dies nicht
vermag, steinharte öde Sodaflecke.
Die Vegetation im Gelände des Neusiedlersees ist außerordentlich reich und mannig-
faltig, sie enthält auch zahlreiche Vertreter der Küstenflora. In großen Gruppen stehen da
die Sternblume (^ster Iripolium), das Glasschmalz (Salzkraut, Lalicoinia kerbacea),
die Schoberia (Lckoderia maritims) beisammen; stellenweise erscheinen I^tkrum saliearia,
t^lisus rackisponensis, Lrxpsis aouleata, ckistans, (ükenopockium Alaueum,
sowie die verschiedenen Rohre, Schilfe, Binsen und Cyperoiden, die mitunter ganze
Inseln bilden.
Das Klima des ganzen Comitats bewegt sich mehr in Extremen, als wo immer sonst
im Preßburger Becken. Der austrocknende Nordost ist der herrschende Wind und die
Niederschläge sind gering, worunter der Boden, dessen dünne Humusschicht auf diluvialem
Kies ruht, viel zu leiden hat. Die Gesundheitsverhältnisse sind nicht ungünstig.
Die Bevölkerung wohnt in 28 großen und 32 kleinen Gemeinden. Diese zeichnen
sich durch Reinheit und Nettigkeit aus; die sauber geweißten und in Stand gehaltenen
Häuser sehen mehr gutbürgerlich als bäuerlich aus. Das Wieselburger Comitat ist das
einzige im Lande, wo die deutsche Bevölkerung die Mehrheit bildet. Die übrigen Ein-
wohner sind meist Magyaren, in geringerer Zahl Kroaten. Der Wieselburger Deutsche und
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch